Monika Maron

Die Suche nach dem gewünschten Leben

Lesung mit Monika Maron im Bündheimer Schloß

Wer führt schon das Leben, das er sich wünscht? Das Ehepaar Johanna und Achim wahrscheinlich nicht. Zunehmend angewidert beobachtet sie, wie er am Abendbrottisch Schinkenstullen in kleine, mundgerechte Stücke zerschneidet und sie verzehrt.

Wenn Monika Maron mit angenehmer, etwas heiserer Stimme aus ihrem Buch "Ach Glück" liest, dann hört man gern zu. Dann schmunzelt man. Dann möchte man mehr wissen über die Protagonisten Johanna und Achim, möchte weit in deren Gedanken vordringen, möchte die klaren Bilder vollenden, die sich durch detaillierte, teils komische Beschreibungen und Charakterisierungen vor dem inneren Auge formen und an sich die Geschichte erzählen.

Eine Alterskrise

Für ungefähr eine Stunde lud die Autorin die zahlreichen Zuhörer im Bündheimer Schloß am Freitagabend in ihre Romanwelt ein. Sie nahm sie mit auf die Suche nach dem Glück, dem Sinn und ließ sie die "Geschichte einer Alterskrise" mitverfolgen, wie Dr. Eberhard Völker, Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft Bad Harzburg, den Inhalt des Romans bei der Begrüßung kurz zusammenfasste.

Gemeinsam von Kulturklub und Goethe-Gesellschaft war die mehrfach ausgezeichnete Autorin nach Bad Harzburg eingeladen worden. Sichtlich begeistert stellte Völker die 66-Jährige vor, deren Werke er, wie er sagte, schon vor Jahren als Lehrer am Werner-von-Siemens-Gymnasium seine Schüler hatte lesen lassen. "Es ist ja unheimlich, dass sie die kleinsten Fitzelchen, die ich geschrieben habe, hier zitieren", gab Monika Maron mit einem Lächeln zurück.

Angenehmer Humor

Beim Lesen blickt die Berliner Autorin nicht auf, liest zügig und strahlt dennoch Ruhe aus. Ihr Humor ist angenehm. Lachen im Publikum bestätigt es. Man mag sie, man hört zu, auch wenn eine Stunde Lesung ohne Pause ein wenig Konzentration erfordert. Doch der Applaus am Ende ist ihrer und die vielen Zuhörer, die sich ein Exemplar signieren lassen, treffen auf eine herzliche Monika Maron.

Im Mittelpunkt des Romans steht Johanna, eine Frau mittleren Alters, die hoch über den Wolken auf einer Reise nach Mexiko Szenen aus ihrem Leben Revue passieren lässt. Einfach ein Aufbruch oder eine Flucht aus dem Leben in besseren Berliner Kreisen mit täglich dem gleichen Tee, der gleichen Zeitung und den gleichen Freunden? Einen Ehemann an der Seite, mit dem sie kaum noch spricht, der sich ebenfalls Gedanken macht, die seine eigene Geschichte widerspiegeln. Kleinste Beobachtungen wie die einer Colaflasche, die hilflos auf der Spree taumelt und unter einer Brücke verschwindet, laden ein zur Interpretation.

Fortgesetzt wird, was im Roman "Endmoränen" mit den gleichen Protagonisten begann. Eigentlich habe sie gar keine Fortsetzung schreiben wollen, aber dann habe sie interessiert, was mit dem Hund passiert, erklärt Monika Maron. Der Hund Bredow, den Johanna verlassen an einer Autobahnabfahrt, angebunden an einen Mülleimer, fand, spielt in dem Roman eine zentrale Rolle. Denn er ist es, mit dem Johannas "Serie der Einmaligkeiten" im sonst routinierten Leben begann. Eine Serie, von der der Zuhörer nach der Lesung gerne wissen möchte, wohin sie denn führen wird. Zum Glück?

Horst Fyrguth; Foto: Janina Jankowski

Nach der Lesung signiert Monika Maron (rechts) Exemplare ihres Romans "Ach Glück" für die Zuhörer.

Foto und Artikel: Janina Jankowski, Goslarsche Zeitung von Mo., 17.03.2008

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