"Mondlicht und Magnolien":

Tippeditipp - in den Wahnsinn

Bühne Bad Harzburg präsentiert mit "Mondlicht und Magnolien" starke Schauspieler in einer genialen Komödie

"Fünf Tage geht keiner durch diese Tür. Da ist die Toilette, da sind die Bananen und hier ist die Schreibmaschine!" Der Wahnsinn mit Methode entfaltete am Freitagabend auf der Bad Harzburger Kurhausbühne genüsslich seine Flügel. Ron Hutchinson, der Autor der Komödie "Mondlicht und Magnolien", erzählt die wahre Geschichte von der Drehbuch-Erschaffung des weltberühmten Filmes "Vom Winde verweht". Geschehen im Jahr 1939.

"Der Dingsbums geht fort, der Dingsbums kommt zurück und Rhett Butler sitzt im Gefängnis, weil er behauptet hat, er sei Clark Gable!" Markus Völlenklee als Drehbuchautor Ben Hecht zetert: Aus solchem Müll könne man keinen Film machen. Nein, das Buch von Margaret Mitchell habe er nicht gelesen. Michael Lesch als Produzent David O. Selznick lässt nicht locker: "Fünf Tage! Du bekommst 15 000 Dollar, da ist die Schreibmaschine, das hier ist der Regisseur. Wir beide spielen dir das Buch vor, du schreibst die Dialoge!"

Vollkörpereinsatz

Der Regisseur von "Vom Winde verweht" - das war einst Victor Fleming, gespielt von Marten Sand. Alle Namen sind echt, auch die Handlung hat sich in Wirklichkeit so ähnlich abgespielt: Bei von Selznick verordneter Erdnuss-Bananendiät und Vollkörpereinsatz wird weit über den Rand des Nervenzusammenbruchs hinaus in einer Woche Filmgeschichte geschrieben . "tippeditipp, tippeditipp, tippeditipp!"

Den irren Blick im zweiten Akt beherrschen alle drei Darsteller auf grandiose Art. Ihr ganzes Spiel faszinierte und fesselte das Theaterpublikum von Anfang an. Wunderbare szenische Ideen wie der Galopp in den Sonnenuntergang und die schrägen Kurzauftritte von Selznicks Assistentin Miss Poppenghul (kongenial: Renée Zalusky) belebten und bereicherten die Inszenierung von Robert Klatt. Mit Michael Lesch als Selznick stand oder fiel das ganze Stück. Seine Figur war der Motor des Ganzen und Lesch schaffte es, bei allem Irrwitz dennoch ein Sympathieträger zu sein. Das war große Schauspielkunst jenseits übertriebener Gesten. Dieser Mann zog alle in seinen Bann. Auch als Scarlett O´Hara. Ihm absolut ebenbürtig waren Marten Sand in Presswehen und mit beifallumtoster Melanie-Sterbeszene sowie der an Verstopfung leidende, die Wand hochgehende Autor Markus Völlenklee.

Bis ans Ende der Kräfte

Das ganze Ensemble spielte sich glaubwürdig und urkomisch bis ans Ende seiner Kräfte. Und selbst dann wurde noch um den letzten Satz gekämpft: "Morgen ist auch noch ein Tag." "Nicht diesen Satz", schreit der Autor verzweifelt auf. "Aber so endet das Buch!", jammert der Produzent. "Schreib endlich hin!", quakt der Regisseur mit wirrem Haar. Ja, endlich! Endlich können sie durch die Tür in die Freiheit hinaustorkeln. Wurde jemals mehr an Gesundheit, Nerven und Energie für ein Drehbuch investiert? "Das Drehbuch", lallt der Regisseur zum Abschied, "ist der unwichtigste Teil eines Filmes." Ein herrlicher Satz., nach allem, was passiert ist. Sehr schön auch, wie Lesch sich am Ende alleine ruhig im Sessel zurücklehnt, den Telefonhörer abnimmt und sagt: "Wir drehen einen Film."

Das von Anfang bis Ende völlig gebannte Publikum reagierte mit einhelliger Begeisterung und klaren Kommentaren: "Starkes Stück!", "ganz toll!". Ohne wenn und aber.

R. Zalusky, M. Lesch, M. Völlenklee u. M. Sand; Foto: Anke Reimann

Beeindruckende schauspielerische Leistungen: Renée Zalusky als Miss Poppenghul, Michael Lesch als David O. Selznick, Markus Völlenklee als Ben Hecht und Marten Sand als Victor Fleming.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 25.02.2008

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