Andrea Kutsch

Den Pferden ihren Frieden zurückgeben

Großes Publikumsinteresse am Vortrag der Pferdespezialistin Andrea Kutsch am Freitagabend im Bündheimer Schloß

Das Wort "Pferdeflüsterer" hat etwas Magisches. Andrea Kutsch führt diesen Titel auf dem Cover ihres neuen Buches "Die Pferdeflüsterin antwortet". Bis auf den allerletzten Platz ausverkauft war ihr Vortrag am Freitagabend im Bündheimer Schloß. Somit war die erste Veranstaltung, die vom Kulturklub eigens für die Rennwoche auf die Beine gestellt worden war, ein großer Erfolg.

Die Meisterschülerin

Andrea Kutsch erzählte auf der Bühne von ihrem Werdegang, wie das Thema Pferd sie gefesselt und nicht mehr losgelassen hatte. "Aber Pferdesport kam für mich nicht in Frage, denn ab einer gewissen Leistungsgrenze wird dem Pferd ein Schmerz zugefügt…." Sie suchte nach neuen Wegen, fand Antworten auf ihre Fragen in Amerika bei Monty Roberts, dessen Meisterschülerin sie wurde. Von diesem Lehrmeister autorisiert und basierend auf seinen Methoden gründete Andrea Kutsch vor zwei Jahren in Bad Saarow die "Andrea Kutsch Akademie für Pferdekommunikationswissenschaft". Und die brandneue Nachricht des Abends lautete: "Heute haben wir die staatliche Anerkennung für diese Schule erhalten. Ab Oktober werden wir offiziell die erste staatlich anerkannte Fachhochschule für Pferdetraining sein."

Das Publikum applaudierte. Denn damit hat Andrea Kutsch etwas wirklich Großes erreicht. Ihr Umgang mit Problempferden wurde im Fernsehen dokumentiert. Sie weiß auch vergnügliche Episoden zu berichten. Jedoch geht die Gründung dieser Schule tiefer als jegliche Show und viele Schritte weiter als ein Seminar "bei dem man nur gefährliches Halbwissen vermittelt". Es ist ihr gelungen, Paul Schockemöhle, Pferdezüchter und einst einer der erfolgreichsten Springreiter der Welt, als Kooperationspartner zu gewinnen. Den Traditionalisten zu überzeugen, war ein wenig so wie in den Märchen, in denen es um Prinzessinnen und halbe Königreiche geht - drei Aufgaben musst du lösen: "Zuerst sollten wir 200 Stuten für die Besamung vorbereiten. Und wir hatten damit irren Erfolg. Dann sollten wir 200 dreijährige Hengste anreiten. Damit hatten wir ihn (Paul Schockemöhle) kurzfristig überzeugt." Da war es auch kein Problem mehr, 900 Pferde halfterfromm zu "flüstern" - alle Aufgaben waren gelöst, die Schule gedieh. Gemeinsam mit Forschern widmet sich Andrea Kutsch auch der Aufgabe, die Kommunikation, das Sozialverhalten der Pferde, weiterhin zu entschlüsseln, herauszufinden: Was ist die beste Art und Weise der Begegnung zwischen Mensch und Pferd, zwischen Raubtier und Friedtier?

Erst im Jahr 2009 wird es die ersten Absolventen ihrer Schule geben, die zu den Leuten kommen und die Probleme von Pferden betrachten und Lösungen erarbeiten können. Bis dahin müssen viele Fragen, die das Publikum gerne gestellt hätte, trotz des Buchtitels unbeantwortet bleiben. Zum Beispiel "Wie nehme ich meinem Pferd die Angst vor dem Schmied?" Andrea Kutsch mag keine pauschale Antwort geben, weil es gegen ein Grundprinzip verstieße: "Ich kann Ihnen nicht helfen. Das Thema ist zu komplex, um eine professionelle Antwort zu geben. Ich müsste das Pferd sehen, ich müsste den Schmied sehen und den Besitzer und gemeinsam mit allen eine Lösung erarbeiten."

Sprache der Pferde

Gewaltfreier Umgang mit Pferden, die Integration der pferdeeigenen Sprache in jegliche Form des Umgangs, dafür plädiert Andrea Kutsch. "Es gibt einen Weg, den Pferden das zurückzugeben, was der Mensch ihnen genommen hat: ihren Frieden. Dies ist der Sinn meiner Arbeit mit Pferden und Menschen", so schreibt sie in ihrem Buch.

Was hält sie vom Galopprennsport? "Ich befürworte jede Form von Sport", sagte sie vorsichtig. Anders als am Anfang ihres Vortrages, da sie begründete, warum Pferdesport für sie selbst nicht in Frage gekommen war…

Andrea Kutsch; Foto: Anke Reimann

Nach ihrem Vortrag wird Pferdeflüsterin Andrea Kutsch von Fans dicht umlagert.

Fotos und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 22.07.2008

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