Robert Griess:

Wenn Erziehung zur Männersache wird

Kabarettist Robert Griess begeistert Kulturklub-Publikum mit schwarzhumoriger Gesellschaftsanalyse

Ferrari oder Kind? Das ist die entscheidende Frage, die sich Kabarettist Robert Griess in seinem aktuellen Programm "Geht´s noch?" stellt. Schließlich belaufen sich die Kosten der Versorgung eines Kindes, so rechnet er vor, auf eine Summe von rund 300000 Euro. Und dafür gibt's auch einen roten Rennwagen.

Ferrari oder Kind?

Er entscheidet sich nicht nur gegen den Sportwagen, sondern geht fortan sogar voll in seiner Vaterrolle auf. Unter den argwöhnischen Augen dreierlei Mütter ("junge Mütter, Tagesmütter und Großmütter") begleitet er sein Kind auch auf dem Spielplatz. Wider Erwarten stellt er dann doch bald fest, dass er nicht ganz der einzige Hahn im Korb ist. Schober, ein liberaler Altlinker, und Stapper, ein ständiger Nörgler und Prolet, gesellen sich zu ihm. Gemeinsam bilden sie eine Art Stammtisch auf der Spielplatzbank: die "last hetero men".

Mit brillanten Wechseln zwischen dem zögerlichen Schober und dem polternden Stapper gelingt es Griess, der in dem "Trialog" nur selten als er selbst in Erscheinung tritt, eine Lachsalve nach der anderen beim Publikum auszulösen: Die Absurditäten der Globalisierung, das "Gejammer streikender Ärzte", die Waldorfpädagogik und der Trend zu Bio-Lebensmitteln - all das wird nicht nur in Frage gestellt, sondern einem vernichtenden Urteil unterzogen.

"Hoden oder Eier?", so die konsequente Losung des ungebildeten Proleten Stapper. Er sprengt Feng-Shui Seminare "gelangweilter Mittelstandsweiber" und fährt mit der Geländewagen-Spritschleuder zum Ökomarkt, nur um dessen Kundschaft aufzumischen.

Der intellektuelle Schober, Stappers zögerlicher, fast tuntig daherkommender Gegenpart, denkt so, wie wohl die Mehrheit gerne sein würde: altruistisch, gerecht und fair. Nur bleibt, mangels umsetzbarer Lösungen, sein Handeln zumeist auf der Strecke. Er hat eben nicht die von Stapper geforderten "Eier", und kommt deshalb nicht recht vom Fleck.

Treffsicherheit

Besonders in der Ausfüllung der Rolle des rücksichtslosen Stapper beweist Robert Griess, dass er - oft schwarzhumorig und gerade deshalb so pointiert - in der Lage ist, dem Volk aufs Maul zu schauen. Er verleiht dem "Asi-Adel" eine Stimme. Und das mit einer Treffsicherheit und Eloquenz, zu dem dieser aus eigener Kraft gar nicht in der Lage wäre.

Auch das Publikum im Bündheimer Schloß wird sich einige Male ertappt gefühlt haben von der treffenden Gesellschaftsanalyse des Robert Griess. Aber nicht obwohl, sondern weil dem so ist, ernteten seine satirischen Eulenspiegeleien so viel verdienten Beifall.

Robert Griess; Foto: Axel Hengehold

Stammtisch auf dem Kinderspielplatz: Die "last hetero men" aus dem aktuellen Programm von Kabarettist Robert Griess.

Foto und Artikel: Axel Hengehold, Goslarsche Zeitung von Di., 29.01.2008

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