Horst Fyrguth

Witzerecycling eines Waldorfschülers

Kabarettist Horst Fyrguth unterhält im Bündheimer Schloß mit solidem, unspektakulärem Humor

Man kann es sich leicht machen als Kabarettist: Man nehme als Thema für sein Programm eine Randgruppe, die ohnehin von der Mehrheit der Bevölkerung belächelt wird, über die aber keiner öffentlich lacht, weil man das ja eigentlich nicht darf. "Waldorfschule" eignet sich da offenkundig ganz wunderbar. Und dies würze man noch mit ein paar Witzen übers restliche Leben, die schon immer funktioniert haben: "Wenn Olivenöl aus Oliven ist, woraus ist dann Babyöl?" Der Kabarettist Horst Fyrguth kreierte damit einen unterhaltsamen Abend, an dem sich 200 Gäste des Kulturklubs im Bündheimer Schloß köstlich amüsierten.

Horst Fyrguth stand recht unspektakulär auf der Bühne, so wie irgendein Hans oder Peter aus dem Publikum, den man verpflichtet hat, mal ein paar Minuten Zeit zu überbrücken. Fyrguth plauderte einfach aus seinem Leben - und das begann in der Waldorfschule und einem anthroposophisch gestrickten Elternhaus. Wobei der Vater ein wenig aus der Art schlug: Er nahm den Sohn irgendwann mit in einen großen Supermarkt, in dem der kleine Horst zum ersten Mal sah, dass es noch mehr Apfelsorten gibt als die mit Druckstellen aus den Holzkisten im "Was-die-Bäume-sagen-Bioladen".

Apropos Horst, also der Name: Später in der Waldorfschule sei er ja damit Außenseiter gewesen. Kira, Nele, Martje, Marc-Martin - so heißt man da, "ich saß neben dem halben Ikea-Regal".

Doch, so etwas ist durchaus mal ganz witzig zu hören, es traut sich ja sonst niemand, diese Späße zu machen, von wegen Political-Correctness und so. Und deshalb hatte das Lachen der Besucher im Schloß auch fast schon etwas Erleichtertes - auf alle Fälle Ehrliches. Aber ist das Leben Waldorf? Filzen, Gartenbau und den eigenen Namen tanzen? Gottlob nicht, das weiß auch Fyrguth - dem es übrigens völlig egal ist, auf welche Schule seine eigenen Kinder gehen, "Hauptsache sie sind tagsüber weg". Zwischen seinen amüsanten Einblicken in das Leben eines Waldorfschülers witzelte er sich in angenehm unaufdringliche Art auch durch den Alltag der übrigen Bevölkerung.

Doch es gab ein Manko im Programm: Nur weil das Leben meist unspektakulär ist, müssen es doch die Kalauer darüber nicht sei. Warum ist Fyrguth aus der Krankenkasse ausgetreten? Weil der Körper zu 90 Prozent aus Wasser besteht und Wasserschäden die Hausratsversicherung übernimmt. Nun, ja… Und warum gibt es im Supermarkt sieben verschiedene Sorten Katzenstreu? Gute Frage, an sich schon witzig, man wartet auf einen Brüller. Stattdessen der Rat, Katzenstreu rund ums Toilettenbecken zu streuen, damit Männer auch mal wieder im Stehen pinkeln können. So zerkocht man Pointen …

Nein, schlecht war's nun auch nicht, wie Fyrguth da herumklamaukte, unspektakulär vielleicht, aber solide und abwechslungsreich. Denn irgendwann stand dann wirklich ein Peter aus dem Publikum auf der Bühne, und das wurde zum originellsten Spaß des Abends. Der arme Kerl hatte eigentlich nichts anders zu tun, als die Zeit zu nehmen, die Fyrguth brauchte, um sich aus einer Zwangsjacke zu befreien. Natürlich ging das schneller als gewettet, und so landete ein Rasierschaum-Klops in Peters Gesicht. Geschwungen von der eigenen Frau. Slapstick à la "Dick und Doof", ein Schenkelklopfer, der schon im vorigen Jahrhundert zündete. Witzerecycling? So sind sie halt, die Walddorfschüler: ungemein kreativ.

Horst Fyrguth; Foto: Holger Schlegel

Ein Walddorfschüler packt aus, erst über sein Leben, dann sich - nämlich aus der Zwangsjacke: Horst Fyrguth.

Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 10.03.2008

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