Fatih Cevikkollu

In Deutschland ein Ali, in der Türkei ein Hans

Kulturklub präsentierte Fatih Cevikkollu im Bündheimer Schloß - Nachdenklicher als im Fernsehen

Ich bin Fatih Cevikkollu aus Köln … Ich bin Moslem … Oh, die Spannung im Raum ändert sich: Moslem! … Iran, Uran, Terror, Panik, Angst! … Gestern noch Kümmeltürke, heute schon Topterrorist!" Samstagabend im Bündheimer Schloß: Mit leuchtenden Augen saßen einige junge Mädchen unter den etwa 250 Zuschauern. Da stand ein hübscher Kerl aus dem Fernsehen auf der Bühne mit seinem Comedyprogramm "Fatihland". Dies aber war mehr als die fernsehübliche Comedy: nachdenklicher und auch anrührender.

"Was ist das Schöne, wenn jemand Angst hat? Du kannst mit ihm machen, was du willst." Fatih Cevikkollu zitiert aus dem Fragenbogen des Baden-Württemberger Einbürgerungstests für Moslems. "Das ist der Moslem-TÜV". Peinliche Fragen. Um dann grinsend in den Raum zu werfen "Ist sonst jemand stolz, deutsch zu sein?" So ein Schelm! Nur ein zehnjähriges Mädchen meldet sich. "Was, nur wir beide?" Er schlägt zur besseren Verständigung einen gemeinsamen Feiertag für Christen und Moslems vor: "Allah Heiligen".

Er spielt seine Bälle dem Publikum zu, pariert, kommuniziert: "Hey, das ist hier nicht wie im Fernsehen, ich hör dich auch!" Die Zurufe bleiben nicht aus, geprägt von Sympathie sorgen sie für eine aufgeräumte Stimmung im Saal.

Für Begeisterung sorgt Fatihs Rapeinlage: "Ein kleines Geheimnis meines Reimes ist, dass die Sehnsucht nach dem sucht, der allein ist…" Ein Türke, in Deutschland geboren, der Komplimente hört wie: "Sie sprechen aber gut deutsch!" Haha. Der erste Programmteil endete mit Fatihs Brasilianer-Parodie, einem herrlichen Schabernack.

Teil zwei: "Man wächst auf in einem Land, wo das Volk sich selber nicht mag." In einem Land, in dem die Eltern zwar leben, aber nie ankommen. "Wir kehren zurück", war ihr Motto. "Wohin denn", fragte Fatih, das Kind. "In die Türkei" … "Was soll ich denn da?" 3000 Kilometer im dunkelblauen überladenen Ford Taunus waren das einprägendste Ferienerlebnis. Die Kühlung fällt aus, die Kinder verbrutzeln zu Trockenobst. In Deutschland ist Fatih Cevikkollu ein "Ali" in der Türkei ist er ein "Hans".

Später, wieder Zuhause in Köln, ein Dialog zwischen Vater und Sohn, für den ausgebildeten Theaterschauspieler Fatih kein Problem: "Wenn Vater am Samstagabend Bier getrunken hat, dann fing er irgendwann an, deutsch zu sprechen." Anfangs ist das komisch, und das Publikum lacht, doch plötzlich kommt die ganze Verlorenheit des Vaters, das Fremdsein im Heimatland seines Sohnes, zum Ausdruck. Herzergreifendes im Narrengewand. Der Vater weint, spricht einige, für die meisten im Saal unverständliche Sätze. Ein türkischer Zuschauer bricht daraufhin in zwerchfellerschütterndes Gelächter aus.

Langer Schlussapplaus. Bravo-Rufe. Fatih: "Der persönliche Abend ist zu Ende." Publikum: "Warum?" Fatih: "Jetzt bist du dran." Publikum: "Wann kommst du zurück." Fatih: "Vielleicht nächstes Jahr. Wenn du kommst, dann komme ich auch." Vielleicht klappt es ja.

Fatih Cevikkollu; Foto: Anke Reimann

Fatih Cevikkollu, ein hübscher Kerl aus dem Fernsehen, unterhält das Publikum im Bündheimer Schloß auf Einladung des Kulturbunds mit seinem Comedyprogramm "Fatihland".

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 13.10.2008

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2008, Kulturklub Bad Harzburg