Cindy aus Marzahn

Zotenzauber von der Zonenzicke

Ilka Bessin zeigt ihre "Cindy aus Marzahn" im Schloß

Rosa gleich Sanftheit, Verträumtheit, Weichheit, Weiblichkeit . . . Alles Quatsch, seit "Cindy aus Marzahn". Stattdessen Zickigkeit, Krawall und Zotigkeit. Gut, die Weiblichkeit bleibt. Allein schon der Körperform wegen. Ilka Bessin zeigte am Freitag im Bündheimer Schloß ihr Programm "Schizophren - Ich wollte 'ne Prinzessin sein".

Die Hintertür im voll besetzten Schloßsaal geht auf, das blonde Kopfgezottel ist zu erkennen. "Ich kann sie schon sehen." Dann, unglaublich, ein Cindy-Gegröle und ein Applaus, als wären alle "Deutschland-sucht-den-Superstar"- Gewinner und die deutsche Fußballnationalmannschaft gemeinsam erschienen. Und, ebenso unglaublich, sofort setzt lautestes Gelächter ein. Man bedenke: Cindy hat noch "nischt jesagt".

Ein Augenschmaus

Eigentlich hätte sie ihre zwei Bühnenstunden wohl auch einfach nur "abstehen" können, ist sie doch wahrhaft ein Augenschmaus. Der - Gefahr, Gefahr - kann aber zu erheblichen Sehstörungen führen: Oben die schon erwähnte Zottel-Lockenpracht, weiter unten dicke Lidschatten-Balken in Rosa-Pink, noch weiter unten der fett konturierte Lippenstift in Rosa-Pink. Auf dem Oberkörper das obligatorische T-Shirt. Das versucht, über dem etwas zu üppig geratenen Mittelteil des Körpers den Kontakt zur dunkelrosa Nickyhose zu halten. Und um die Füße herum - Cindy ist ja im Harz, und da ist es kalt - rosa Plüsch-Moonboots "Allet jut?", ist einer der ersten Sätze, die Cindy spricht. Total harmlos. Sie fängt ja auch erst an. Und meint: "Die dicke Frau macht doch nur Spaß." Na, na. "Gästefoppen" ist ein Spiel, das sie gerne spielt. Alle amüsiert's, auch die Genarrten. Aber Achtung, Cindy kann auch nett sein: Sie unterbricht ihr Programm für die "Pinkelpause", plänkelt währenddessen herum.

"Ikea Parkhaus"

Was festzustellen ist: Jeder Cindy-Satz erntet am Freitagabend mindestens einen Lacher. Da die Krawall-Quassel-Trine von eben jenen so immens viele 'rausblökt, nimmt das Lachen bei einigen weiblichen Gästen Mimik verzerrende Formen und quiekende Laute an. Ob Cindy nun über Paris Hilton lästert, deren Name angeblich nach ihrem Zeugungsort ausgesucht wurde. Cindy: "Dann müsste ich Ikea Parkhaus heißen." Oder ob sie über die Folgen ihrer Schönheits-Operationen in Polen spricht: "Ich konnte drei Wochen lang nicht laufen, ich habe mir die Lippen aufspritzen lassen." Oder ob sie von ihrer Laufsteg-Karriere berichtet: "Ich war das einzige Model, das sich die ganze Faust in den Hals stecken konnte."

Cindy als Model? Grazile Bewegungen, na, die hat sie nicht ganz so drauf. Ihre Choreografie zum Hip-Hop-Stück "Ich bin Cindy aus'm Block" scheint die Songwriterin der "Plattenpussies" von Tina Turner und Joe Cocker abgeguckt zu haben: Ruckt den Körper hin, ruckt den Körper her.

Zotigste Zoten

Richtig hübsch ist Cindy auch in ihrem Pannesamt-Prinzessinnenkleid (nach der Pause übergestülpt) nicht. Dabei hätte sie sich doch so gerne von Frédéric Prinz von Anhalt adoptieren lassen. Ihre Bewerbungsunterlagen wollte sie sogar im Polo ihrer Freundin selbst nach Beverly Hills bringen. Hat aber nicht geklappt.

Dem Publikum, ein Altersgemisch vom zehnjährigen Comedyfan Kevin aus Seesen bis zum Rentner mit starker Spitze bei den Mitte-Zwanzig- bis Mitte-Dreißigjährigen, gefällt das alles. Auch wenn sie ihm nach den zotigsten Zoten unterstellt: "Ihr habt die schmutzigen Gedanken, nicht ich." Der Mutter von Kevin rät sie: "Da musst Du nachher aber noch einiges erklären." Ob die das tatsächlich gemacht hat, ist zu bezweifeln. Manches sollte ein Zehnjähriger nämlich wirklich noch nicht wissen.

Cindy aus Marzahn; Foto: Angela Potthast

Der Traum von Cindy: Als Prinzessin reich sein. Die Bewerbung an Frédéric Prinz von Anhalt mit allen Formalitäten hat sie selbst im Polo ihrer Freundin nach Beverly Hills bringen wollen.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Mo., 14.04.2008

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