Bernhard Bueb

"Der Kritik Hilfe folgen lassen"

Vortrag des Pädagogen Bernhard Bueb im Bündheimer Schloß - Zustimmung und Empörung im Publikum

"Wo immer Menschen zusammen arbeiten, ob in der Schule oder im Berufsleben: Es muss Führungskräfte geben." Mit diesen Worten eröffnete der Bildungskritiker Bernhard Bueb Sonntagabend seinen Vortrag zu seinem aktuellen Buch "Von der Pflicht zu führen".

Die Veranstaltung im Bündheimer Schloß war sehr gut besucht. Viele Eltern, Pädagogen und andere Interessierte wollten sich die Ansichten des umstrittenen Pädagogen Bernhard Bueb nicht entgehen lassen. Der predigte in seinem rund eine Stunde langen Vortrag mit anschließender kurzer Diskussion über den Mangel an Führung an deutschen Schulen und in Firmen. Er kritisierte die Lehrer, die seinen Erfahrungen nach "den Unterricht nach eigenen Vrostellungen gestalten und keine Kritik bekommen, solange sie sich an die Vorschriften halten". Problematisch sei außerdem, dass sie keinerlei Hilfe annehmen würden. "Niemand redet einem Lehrer hinein, der jahrelang schlechten Unterricht gibt - weil es keiner mitbekommt", meinte Bueb. Mit seinen persönlichen Erfahrungsberichten amüsierte der Vater von zwei Töchtern das Publikum und regte zum Nachdenken an, rief aber bei einigen Zuhörern auch Empörung hervor.

In leicht nachzuvollziehenden Gedanken formulierte Bueb fünf "Maxime der Führung", die besagen, dass Lehrer und Schulleiter das Selbstwertgefühl des zu Führenden stärken, mit ihm Ziele vereinbaren, deren Umsetzung kontrollieren, Verhaltensweisen kritisieren und zuletzt Verantwortung mit ihm teilen sollten. "Es ist wichtig, das Selbstbewusstsein von Schülern zu stärken, weil sie heute vielen Gefährdungen wie dem Konsumterror ausgesetzt sind", meinte der ehemalige Leiter des Elite-Internates Salem. Die Schule habe die Aufgabe, den Charakter des Kindes zu stärken, wenn dies die Eltern versäumt haben. "Loben, ein Vorbild für die zu Führenden sein, und der Kritik direkte Hilfe folgen lassen" - für Bueb notwendige Mittel, Pädagogik zu betreiben. Die "sanften Tugenden", wie Rücksicht und Höflichkeit ließen sich zwar schwer vermitteln, würden aber nötig sein, um die Charakterbildung zu stärken.

Der 70-Jährige forderte in seinem Vortrag mehr Verhaltenstraining für Lehrer statt akademischen Fortbildungen, möchte Schulleiter nur für fünf Jahre einstellen und dann überprüfen, wie geeignet diese für die Aufgabe sind. "Einmal im Jahr sollte jeder Schüler seinen Lehrer bewerten und ebenso die Lehrer den Schulleiter", fügte Bueb an. Außerdem ist er ein starker Verfechter der Ganztagsschule nach dem Schema: vormittags Unterricht, anschließend ein kultiviertes Mittagessen und am Nachmittag Hausaufgaben und Spiel mit den Lehrern. "Wenn sich diese Schulform auch hier zu Lande durchsetzen würde, gäbe es nur Gewinner.

Bernhard Bueb; Foto: Nina Wodicka

"Es gibt viele begabte junge Menschen, um die wir unsbemühen müssen" - Bernhard Bueb (70) hat als ehemaliger Schulleiter und Vater von zwei Töchtern klare Vorstellungen von einer perfekten Schule mit starken Führungskräften.

Foto und Artikel: Nina Wodicka, Goslarsche Zeitung von Di., 28.10.2008

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