Mark Benecke

Mörderischer Abend mit Serienkillern

Leichen, schwarzer Humor und kölscher Dialekt: Kriminalbiologe Mark Benecke sorgt für Spannung im Schloß

"Stellen sie sich vor: Unter Ihnen sitzt ein Serienkiller. Es wäre der, der am unauffälligsten ist." Schaudern. Ganz in Schwarz, der Kopf kahl geschoren, die Arme tätowiert, dazu eine Portion Zynismus, ein ganz eigener Humor sowie kölscher Dialekt mit hoher Sprechgeschwindigkeit. Das ist ein Kriminalbiologe live. Ein bisschen wie im Film.

Mörder kreuzen seinen Weg. Oder besser gesagt: er ihren. In die Abgründe kranker Fantasien und auf die kriminalistische Suche nach Spuren und Erklärungen, veranschaulicht durch Bilder, nahm der international bekannte Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke die Gäste im Bündheimer Schloß auf Einladung des Kulturklubs am Freitag mit. Neugier am Morbiden und Gruseln stellt sich ein. Spannung total.

Biologie des Todes

Bescheiden gibt sich Mark Benecke und winkt jedes Mal lächelnd ab, wenn das Publikum begeistert applaudiert. Der 37-jährige Kölner arbeitet als Molekularbiologe und Wirbellosenkundler an rechtsmedizinischen Fragen und der Biologie des Todes, "Glauben darf man nicht, Glauben ist für Anfänger", erklärt er. "Uns interessiert nicht, ob es Gott gibt. Die Welt der Spuren ist anders, als die Welt, die sie wahrscheinlich kennen." Dass Beneckes Berufswelt in jedem Fall anders aussieht als die der Zuschauer, zeigt die klangvolle Themenwahl, vor die er das Publikum stellt.

Vampirzeichen, Insekten auf Leichen, Hitlers Zähne und Schädel, die er als einziger Mensch in der KGB-Zentrale in Moskau untersuchen durfte, oder doch lieber die Serienmörder Bartsch und Garavito? Die Serienmörder, deren Fälle Benecke in seinem Buch "Mordspuren" aufgerollt hat, gewinnen.

Das Lachen, dass dem Publikum bei Sprüchen wie "Gulasch ist Leiche in Würfelchen, Leberwurst Leiche in Aufstrich, das brauchen sie sich gar nicht schön reden. Also ich bin Vegetarier" noch locker über die Lippen geht, wird bei dem nachfolgenden Vortrag merklich verhaltener. Wenn auch der schwarze Humor nie abebbt und Benecke seine Entertainer-Qualität dauerhaft etwa drei Stunden lang unter Beweis stellt.

Rotzfreche Schläue

Er nimmt das Publikum mit auf die Spur des Deutschen Jürgen Bartsch, der als homosexueller pädophiler Sadist bereits mit 15 Jahren 1962 das erste von vier Kindern tot gefoltert hat, in einer Höhle, nur ein paar Schritte hinter dem Eingang neben einer viel befahrenen Straße im Ruhrgebiet.

Nicht hochintelligent, doch smart, mit "super rotzfrecher Schläue", perfekt im Märchen erzählen und mit der Fantasie, ein Kind bei lebendigem Leib zu häuten. Benecke rekonstruiert die Fälle Bartsch und Garavito anhand ermittelter Spuren an den Leichen der Opfer, deren Fesseln und Kleidung, sowie Briefen und Aussagen der Täter und erklärt ihre Vorgehensweise. Perfekt an sein Umfeld angepasst konnte auch der Kolumbianer Luis Alfredo Garavito 1992 bis 1999 mehr als 300 Jungen unbemerkt wenige Meter neben verkehrslärmreichen Straßen quälen und töten, "In 'Schweigen der Lämmer' ist es richtig dargestellt: Der Täter ist immer einen Schritt weiter", sagt Benecke. Auch er sei von Garavito ausgetrickst worden. "Bei denen sind alle Schrauben locker", verdeutlicht er seine Meinung über Serienkiller, die allesamt traurige Menschen seien. "Die Täter wissen, dass sie böse sind, aber in ihren Herzen rührt sich nichts."

Mit dieser Erkenntnis und dem Hinweis "Der Tod ist nicht das Ende. Danach kommt immer noch - der Kriminalbiologe" entlässt er das begeisterte Publikum in die Nacht.

Mark Benecke; Foto: Janina Jankowski

Fotos über Fotos: Der Kriminalbiologe Mark Benecke (rechts) dokumentiert alles. Erinnerungsfotos mit vielen seiner Fans wie Sascha Mirwald aus Bad Harzburg sind bereits auf der Internetseite www.benecke.com zu sehen. Benecke ist aus vielen TV-Krimidokumentationen sowie als Buchautor bekannt und hat als international bekannter Experte bereits an der FBI-Akademie ausgebildet.

Foto und Artikel: Janina Jankowski, Goslarsche Zeitung von Mo., 19.05.2008

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2008, Kulturklub Bad Harzburg