Alfons

Der Kreis ist eine krumme Linie …

Comedy-Star Alfons gastiert zum zweiten Mal auf Kulturklub-Einladung im ausverkauften Bündheimer Schloß

Am Samstagabend kehrte der Franzose Alfons mit Archivblock und Puschelmikrofon auf die Bühne des Bündheimer Schlosses zurück. Vor einem Jahr hatte er sie beifallumtost verlassen. Nun war er auf Einladung des Kulturklubs wieder da, in "Bad Harzding", um sein Publikum "zu erotisieren" wegen der Geburtenrate. Mehr als 300 Zuschauer waren gekommen, um diesen zweiten Alfons-Abend zu erleben, der überschrieben war mit "Die Rückkehr der Kampfgiraffen".

Wieder waren Filmaufnahmen seiner kultgewordenen Straßenumfragen zu sehen. "Sind Sie genmanipuliert?", fragt der Leinwand-Alfons einen Polizisten. "Ich kann ihnen dazu keine Auskunft geben. Sie müssten sich an unsere Pressestelle wenden", war die professionelle Antwort darauf. "Was ist das Romantischste, was ihr Mann je gemacht hat?", möchte Alfons von einer Fußgängerin wissen. "Frische Socken angezogen", war die knappe Antwort. Manche Zuschauer kannten die Gags und einige der Filme schon vom vorigen Jahr. Spielte Alfons-Darsteller Emmanuel Peterfalvi das gleiche Programm unter anderem Titel noch einmal?

Behutsam mit Humor

Nein, es gab an diesem Abend eine neue Geschichte und eine neue Facette von Alfons zu erleben. Er wob sie geschickt in das bisher Bekannte ein, tarnte sie zunächst als Comedy, um sie schließlich, nach der Pause, in ihrer ganzen Kraft zu präsentieren - die Geschichte von Heinz, einem alten Mann von 90 Jahren, der auf alle Alfons-Fragen seine ganz eigenen Antworten gab. Bei der Suche nach den Skurrilitäten menschlicher Denkweise war Peterfalvi auf echtes Gold gestoßen und hatte es gehoben. Behutsam und doch auch mit seinem typischen Humor.

Zwischen angeblich toilettenschmeißenden Schwulen, Katze Mitzi mit dem Holzbein, Kampfgiraffen, Pfannengruß, Obst-Igel mit USB-Anschluss und der Banditenschar alleinerziehender Mütter wird ein authentisches Portrait von Heinz gezeichnet, der seine Frau pflegt, weil sie das selbe auch für ihn tun würde.

Heinz hatte sich in seiner Kindheit geschworen, öffentlich nie wieder zu weinen und darum den Trick entwickelt, stattdessen in sein Taschentuch zu schnäuzen. "Lehrer!", polterte er vor der Kamera, "Die kennen ja noch nicht mal die Definition von einem Kreis!" Was als Comedy-Umfrage auf dem Hamburger Wochenmarkt begonnen hatte, entwickelte sich zu vielen Gesprächen und endlich zu einer gemeinsamen Reise von Alfons und Heinz nach Berlin zu der Schule, wo Heinz 1922 eingeschult wurde mit einer winzigen Zuckertüte voller Papier: "Damals hatten wir kein Geld."

Lächeln und eine Träne

Diese Schule gab es noch, das einzige, was Heinz von seiner Geburtsstadt Berlin noch einmal sehen wollte. Und mit Alfons stand er schließlich auf dem Schulhof, wo er feierlich empfangen wurde, schnäuzte in sein Taschentuch und sagte: "Jetzt bin ich wieder Kind." Und für alle folgenden Generationen sprach er im Klassenraum vor den Kindern feierlich die Definition eines Kreises aus: "Ein Kreis ist eine krumme, in sich selbst zurückkehrende Linie, deren Punkte sich alle im gleichen Abstand zum Mittelpunkt befinden."

Die russische Musikerin Natalie Böttcher begleitete Alfons' Erzählungen und Filmbeiträge mit einfühlsamen Klavier- und Akkordeonklängen. Was das Publikum an diesem Abend erlebte, war Comedy in überraschender Kombination mit vollendeter Erzählkunst.

"Hoffentlich habt ihr das behalten mit dem Kreis", sagte Heinz auf der Leinwand den Kindern und den Zuschauern zum Abschied. Dieser Satz ist sein Denkmal, geschaffen von Alfons mit einem Lächeln und einer Träne.

Alfons; Foto: Anke Reimann

Eine ganz neue Geschichte und eine ganz neue Facette von Alfons, alias Emmanuel Peterfalvi, lernen die Besucher der Kulturklub-Veranstaltung im Bündheimer Schloß kennen.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 12.02.2008

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