U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern:

Lauter Jubel des "wohlriechenden Publikums"

"U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern" begeistern ihr Publikum mit einer fulminanten Show im Bündheimer Schloß

Vor 15 Jahren tingelten fünf jugendliche A-Capella-Sänger namenlos durch die Frankfurter Kneipenszene, sangen und machten Quatsch, bis der erste große Auftritt kam, da musste auf die Schnelle ein Name her: „U-Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern“ war ein Provisorium – und dabei blieb es dann bis heute.

Rund 250 Zuschauer lockte dieser Name am Freitag Abend ins Bündheimer Schloß. „Vollgas“ hieß das Programm, und schon ging sie los, die U-Bahn-Party, die letztendlich für helle Begeisterung sorgte.

Bei den ersten Stationen liefen die Motoren allmählich warm: „Geiz ist nicht geil“ und „Our voices will ring together“ – hier präsentierten die Fünf ihre starken und vielseitigen Stimmen, von dröhnenden Bass-Grooves bis Falsett, da war alles möglich. „Hallo, Bad Harzburg! Ihr seid ein außerordentlich wohlriechendes Publikum!“ Aah! „Bis auf die Holzsäulen hier, ... die kommen wohl aus Oker!" Matthias Keller, Entertainer, Bass- und E-Gitarre, Opa Trompete, Puppenspieler, Schottenrockträger, Robin Gibb, Robert de Niro und Fisch Dori verstanden es zudem, das Publikum als Instrumentarium zu nutzen, woraus eine wilde Improvisation auf die Worte „Bad“ und „Harz“ und „Burg“ entstand. Das Ganze wurde noch gescratcht, zersägt, flambiert, staubgesaugt und zum Mond gekickt – und alles allein mit Mund und Stimme.

Bruder Yang, Bruder Yin

Oliver Hartstack, der Mann mit den roten Schlangenlederstiefeln und dem pfundigen Hüftschwung, wird allen Augenzeugen als singende und summende Biene Maja auf ewig in Erinnerung bleiben ... und auch als Bruder Yang von Bruder Yin. ... „Oder bin ich Yin? Und du bist Yang?“ Die weißen Irrenhaus-Zwangsjacken sprachen Bände bei dieser Nummer.

Die Fünf steigerten ihre furiose Gesangs-Tanz- und Slapstik-Performance mehr und mehr ins Absurde und Aberwitzige. Die Songs gewannen an Energie, stimmlich wie körperlich, die ihren absoluten Höhepunkt in einem Hip-Hop-Metal-Swing-Mix fand – „Rage against the machine“ versus „Puttin’ on the Ritz“ versetzt mit stampfenden Beats, Headbanging und schlimmen Ausdrücken. Einige Zuschauer schlugen entsetzt die Hände vors Gesicht, die anderen riss es nahezu von den Stühlen vor Begeisterung.

Harald Bannoehr, Yins Bruder Paul Yang, und auch sonst nicht leise, setzte den Höhenflug fort mit einer Rammstein-Ode an seinen Kaktus: „Du stichst so gut ... sollst mit Löchern mich verzieren, sollst meine Haut mir perforieren“. Der Saal jubelte.

Formvollendeter Flirt

Filippo Tiberia war der charmanteste der fünf Marlboro-Men, die rauchend in den Brokeback Mountains am Lagerfeuer saßen, Wildgänse brieten und die Flammen am Ende auspinkelten, ein ganzer Kerl wie die anderen, wenn auch nur halb so groß. Und Sebastian Rajkovic war der Mann, der „Zu spät“ und „Junimond“ ganz besinnlich sang, und formvollendet mit Zuschauerin Martina flirtete. Er wurde von manchem schon für den ruhenden Pol der Truppe gehalten, bis sich urplötzlich zeigte, wie „hibbelisch“ er in Wirklichkeit ist. So endete der Abend in hellen Lachsalven und mehrfachen „Zugabe“-Rufen, die nicht unerhört blieben: Diese Fünf brauchten ja nur das Mikro zu heben, um mit der U-Bahn einen Looping zu fahren.

Oliver Hartstack; Foto: Anke Reimann

Wohlgenährte Biene Maja mit pfundigem Hüftschwung: Oliver Hartstack.

U-Bahn-Kontrollöre; Foto: Anke Reimann

"U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern": Sebastian Rajkovic, Filippo Tiberia, Oliver Hatstack, Matthias Keller und Harald Bannoehr.

Artikel und Fotos: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 14.05.2007

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