Hans Hermann Thielke:

"Der mit der Einlegesohle tanzt..."

Kulturklub lädt den Postbeamten Hans Hermann Thielke ins Bündheimer Schloß - Auftritt vor 200 Zuschauern

Helmut Hoffmann - Jungengesicht, blonde Strubbelmähne, Ringelsweat - steht im Foyer des Bündheimer Schlosses. Die Kabarett-Besucher gehen an ihm vorbei, kaum einer erkennt den Mann, der eben noch Hans Hermann Thielke war, der pedantische Postschalterbeamte, der sie vor wenigen Minuten noch auf der Bühne getreu seinem Motto "Jetzt rede ich!" amüsiert hat.

Exakter Scheitel

Der ist schon ein Typ, der Thielke, exakter Scheitel über der Hornbrille, die Augen weit aufgerissen, immer auf Zack wie ein Huhn stand er am Sonnabend auf der Schlossbühne vor etwa 200 Zuschauern mit dem "Superbuch der Witze" in der Hand, denn: "Ohne Anfangswitz können wir später … Schwierigkeiten mit der Stimmung bekommen." Eine tiefe Falte kerbte sich in seine Stirn, so ernst war es ihm mit dem Witz: "Also jemand kommt zum Arzt", Pause, leicht panischer Blick ins Publikum, "es muss auch gar nicht jemand … das … kann auch … jemand anders sein."

Ein Schalterbeamter muss so vieles beachten, um alles bestimmungsgemäß zu vollführen. Betritt zum Beispiel ein Kunde den Schalternahbereich, "so sagt man Guten Morgen … oder … Guten Tag …" - irritiert hielt er wiederum inne - "man … richtet einen tageszeitlich bedingten Gruß an den Kunden."

Helmut Hoffmann beherrscht die Kunst der Pause und der übermäßigen Dramatisierung innerpostlicher Durchführungsverordnungen. Er treibt das Spießigsein, die Pedanterie seiner Postschalterbeamtenfigur lustvoll auf die Spitze. Seit einigen Jahren tritt er damit sehr erfolgreich auch in Fernsehsendungen auf. Jedoch der Wiedererkennungswert ist am Schwinden: elektronische Paketannahme, Briefmarkenautomaten, Telefon, Internet und kleine Postagenturen (zum Beispiel in freundlichen Bücherläden) lassen das Abhängigkeitsverhältnis vom klassischen Postschalterbeamten Vergangenheit werden. Thielke ist antiquiert, ein Relikt. Und es ist etwas schade, dass Kabarettist Hoffmann dies nicht thematisiert. Gelächter aus einer erinnerten Wiedererkennung heraus ist nicht so stark wie es ein kabarettistischer Volltreffer ins Herz der Gegenwart auslöst.

Nach der Pause aber lief Herr Thielke doch noch zu Hochform auf, als er von den haarsträubenden nahezu verheerenden Folgen sprach, die das Verrutschen seiner rechten Einlegesohle verursachen kann.

Umjubeltes Finale

Er zeigte sie seinem Publikum: die Sohle, die ihn dermaßen peinigt und mitunter so extrem vom Kurs abzubringen vermag, dass er zum Beispiel den Haupteingang des Postamtes verfehlt: "Ich direkt immer ums eigene Auto herum, an ein Weiterkommen war nicht zu denken."

Mit seiner energiegeladenen Musicalvorführung "Kleiner Jungzusteller lauf" legte Hans Hermann Thielke ein umjubeltes Finale hin. Derart gefeiert beendete der Beamte im mittleren, nichttechnischen Postdienst diesen Abend, an dem er erfolgreich geredet, gesungen, rechts- sowie linksbeinig getanzt und im Schweiße seines Angesichts telefoniert hatte.

Hans Hermann Thielke; Foto: Anke Reimann

Helmut Hoffmann verbirgt sein Jungengesicht hinter einer dicken Hornbrille und seine blonde Strubbelmähne hat er mit einem exakten Scheitel nach hinten gekämmt, um sich in den Postbeamten Thielke zu verwandeln.

Artikel u. Foto: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 18.09.2007

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