"Sara soll unter die Haube":

Das Leben darf auch mal leicht sein

"Bühne Bad Harzburg" präsentiert mit "Sara soll unter die Haube" unbeschwerte Theaterunterhaltung

Wie schön, dass ab und an alles auch mal so richtig unbeschwert sein kann. So locker und leicht und "light", dass man sich keinen Kopf zu machen braucht. "Cola light", "Light Bier", "Joghurt light", "Wurst und Käse light". Genuss ohne Reue oder schwere Gedanken. "Leben light" halt. Am Montag gab’s dazu auch noch "Theaterstück light" im Kurhaus. "Sara soll unter die Haube" stand auf dem Spielplan der "Bühne Bad Harzburg". Und das bedeutete: Hinsetzen, schauen, freuen, lachen.

Der Purist mag wieder einmal gedacht haben, was für oberflächliches Geplänkel doch die Bühnen von heute dem Publikum zumuten, aber halt: Muss es denn immer ein Stoff sein, an dem man sich Zeile für Zeile mühsam entlangdenken muss? Den man womöglich erst dreimal vor-, dann einmal nachbereitet haben muss, um jede historische Verflechtung und inhaltliche Interpretation auch noch von hinten beleuchten zu können? Das bildet zwar und hält fit im Kopf, aber: Das Leben kann auch einmal unbeschwert sein.

Ein Mann frei Haus

So wie das von Sara (Katerina Jacob). Sie ist schlau, glücklich, mitten im Job und Single. Und warum ist sie glücklich? Weil das Leben allein so schön unkompliziert ist. Meint sie. Ihre Tante Martha (Ellen Schwiers) hingegen ist felsenfest davon überzeugt: Allein geht gar nicht, "jeder Mensch braucht jemanden. Wer soll sich kümmern, wenn Du mal krank bist?" Sara ist’s egal, der Tante nicht, und deshalb greift die alte Dame zu einer Methode, die Sara als Wahnsinn, sie hingegen als Innovation bezeichnet: Ein Mann frei Haus. Bewusstlos geschlagen zwar, aber wie sonst hätte man ihn auf die Sackkarre bekommen.

Er, Brandon, wacht auf und erinnert sich zunächst an nichts. Und nun kommt es erst einmal, wie es kommen muss. Sara: völlig entsetzt und abweisend – zunächst. Brandon: völlig entsetzt und abweisend – zunächst. Brandons Verlobte Heather: komplett eifersüchtig und hysterisch, aber sie mag in diesem Theater sowieso niemand. Tante Martha: sehr zufrieden, denn da geht noch was. Der Zuschauer: tüchtig amüsiert. Man weiß ja auch ganz genau, wie es ausgehen wird, gell? Natürlich. Sie bekommen sich am Ende, Brandon und Sara werden ein Paar, sie wissen es nur noch nicht.

Heiraten ist Mist, oder?

Zuvor muss es aber natürlich noch ein paar putzige Irrungen und witzige Wirrungen geben, inklusive diverser Lieferungen ohnmächtig geschlagener Männer – und zwar aller Männer, die im Stück sonst noch mitspielen.

Dazu dann auch noch ein wenig Lebensweisheit: Heiraten ist eigentlich Mist. Es sei denn, man findet die richtige Frau. Schau an . . . Wie gesagt, das ist alles nett und einfach und lustig und leicht. Amüsant halt, etwas zum Entspannen. Und das genossen die 600 Theaterbesucher.

Aber der Abend war beileibe nicht ohne Niveau, dafür sorgte schon Familie Schwiers. Denn ihr „Ensemble“ ist immer für ausgefallenes Amüsement auch bei einfach gewebten Stoffen gut. Da kommt Farbe ins Spiel, wenn Ellen Schwiers als verrückte (" . . .ich bevorzuge den Begriff exzentrisch") Tante Martha das Leben ihrer Nichte vom Bühnenrand aus in die Hand nimmt und eigentlich stets nur vom Telefon aus ins Geschehen eingreift. Ordentliche schauspielerische Leistung selbst in den Nebenrollen (Grandios: Hagen Marks als Männerlieferant Noogie Malloy) erzeugten eine angenehm runde Ensembleleistung, die auch verzieh, dass der eine oder andere Charakter zu sehr aus Klischeeholz geschnitzt war.

Dieser Theaterabend hat richtig Spaß gemacht. Er hat zwar nicht unbedingt den Horizont erweitert – aber muss er das?

Katerina Jacob, Ellen Schwiers (Mitte) u. Ralf Komorr; Foto: Holger Schlegel

Es ist vollbracht: Tanta Martha (Ellen Schwiers, Mitte) hat mit ihren ungewöhnlichen Methoden Nichte Sara (Katerina Jacob) unter die Haube gebracht. Der zunächst etwas Unglückliche und am Ende sehr Glückliche ist Brandon (Ralf Komorr).

Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mi., 14.02.2007

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