"Mit 17 hat man noch Träume":

Ein Fernsehabend mit Schnittchen und Zigaretten

Familie Malente tritt vor mehr als 400 Zuschauer im Kurhaus mit der Musikrevue "Mit 17 hat man Träume" aus den 60er Jahren auf

Die Dame in der ersten Reihe ist nicht zu bremsen. "Dazu habe ich früher getanzt", sagt sie begeistert, als die Mitglieder der Familie Malente auf der Bühne twisten. Mit ihrer Musikrevue, einer Zeitreise in die 60er Jahre, sorgt das Hamburger Ensemble im mit mehr als 400 Zuschauern besetzten Kursaal für regelrechte Beifallsstürme. Immer wieder singt das Publikum lautstark mit oder klatscht im Takt zur Musik. Kein Wunder, dass am Ende "Zugabe" skandiert wird.

Bekannte Werbespots

Die Akteure auf der Bühne verstehen es großartig, die Zuschauer in die Zeit vor mehr als 40 Jahren mitzunehmen. Dies gelingt ihnen nicht nur mit der Musik. Auch mit der Kleidung, die heute bestimmt keiner mehr anziehen würde, und mit den damals bekannten Werbespots, die sie geschickt auf die Schippe nimmt, sorgt die fünfköpfige Familie Malente für das Flair der 60er Jahre.

Damals trifft man sich noch zum Fernsehabend. Bei Schnittchen, Zigaretten und Weinbrand träumen die Leute (und die Akteure auf der Bühne im Bad Harzburger Kurhaus) davon, dass es einmal ein Gerät gibt, mit dem man den Fernseher lauter, leiser oder den Kanal wechseln kann, ohne aufzustehen. Auch den Farbfernseher gibt es seinerzeit noch nicht, und das Schwarz-Weiß-Gerät muss wegen der langen Vorlaufzeit fünf Minuten bevor man Fernsehen schauen will, eingeschaltet werden. Das meist ältere Publikum gerät ins Schwärmen. "Ja, genau so war das damals", erinnert sich die Dame in der ersten Reihe.

Ihr gefällt aber besonders die Musik. "Ich kenne noch jede Zeile", sagt sie, und wie zum Beweis singt nicht nur sie lautstark mit, wenn die Malentes Schlager wie "Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben", "Er steht im Tor", "Mit 17 hat man noch Träume" oder "Down Town" singen. Man glaubt fast in einem Rock-Konzert zu sein, so laut beteiligen sich die Besucher an dem Auftritt der Familie Malente.

Dann jedoch ist es wieder mucksmäuschenstill. Die Akteure verstehen es geschickt, zwischen Musik- und Spielszenen zu switchen, wie es neudeutsch heißt. Mit den Schauspieleinlagen, bei denen neben der Werbung auch Winnetou, Edgar Wallace und die ZDF-Hitparade auf die Schippe genommen werden, attackieren Vico und Peter Malente sowie Melanie Stahlkopf, Anne Patricia Nilles und Bianca Arndt das Zwerchfell der Besucher. Ob Klementine von Ariel, HB-Männchen, Dieter-Thomas Heck oder Nana Mouskouri: Alles wird durch den Kakao gezogen. Mit Erfolg, denn das Publikum kommt aus dem Lachen kaum noch heraus.

Fiese Hornbrille

Doch die zweieinhalb Stunden vergehen wie im Flug. Mit nur einer Zugabe kommen die Malentes der Aufforderung des Publikums nach, anschließend verkaufen und signieren sie ihre CDs. Ein Exemplar wird natürlich auch von der Frau aus der ersten Reihe gekauft. "Ich habe ihren Auftritt in Bad Harzburg auch im letzten Jahr gesehen", sagt sie stolz zu Vico Malente, der im Foyer mit brauner Hausjacke, bunter Schürze und fieser Hornbrille alles andere als eine gute Figur macht. "Das ist schon zwei Jahr her", erwidert der Hamburger Künstler. "Tja, wie die Zeit vergeht."

Foto: Michael Eggers

Ovationen für die Familie Malente: Das Ensemble aus Hamburg erntet von den 400 Zuschauern im Kurhaus einen besonders kräftigen Applaus.

Foto und Artikel: Michael Eggers, Goslarsche Zeitung von Mo., 29.10.2007

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