LaLeLu:

Wenn fetter Zuckerguss den frechen Humor verklebt

Die Comedygruppe "LaLeLu" überzeugt mit Können und Ideen, aber enttäuscht die alteingesessenen Fans letztlich doch

"LaLeLu" waren wieder in der Stadt, zum siebten Mal ließ der Kulturklub das Hamburger A-Capella-Quartett auftreten. Deshalb wusste man, was einen erwartet und konnte sich freuen auf exzellenten Gesang, auf blitzschnellen Humor, freche Texte zu alten Melodien, auf Tempo und eine pfiffige Vielfalt bei der in jeder Sekunde ein neuer Gag um die Ecke kommt. Nur leider war es diesmal etwas anders . . .

Es war nicht schlecht, was Komponist, Texter und Sänger Sören Sieg für sich und seine Mitstreiter Jan Melzer, Tobias Hanf und Sonja Wilts ersonnen hatte: eine "Hochzeits-Show". Wobei "Show" schon das falsche Wort ist. Oper, vielleicht auch Musical würde besser passen. Früher freute man sich bei "LaLeLu" über ein Programm, das aus ganz, ganz vielen kleinen und großen, vor allen Dingen aber meist neuen Gags bestand. Und den Künstlern merkte man immer an, wie sie schon beim Ausdenken der einzelnen Elemente ihren Spaß gehabt haben dürften.

Sonja will heiraten

Aber nun wurde auf einmal ein Theaterstück aufgeführt: Drei Männer und eine Frau auf der Suche nach dem Glück. Und Glück heißt in diesem Fall - Hochzeit. Objekt der Begierde ist Sonja. Groß, blond, lieb und ein wenig naiv ist sie ein auf hohen Absätzen wandelndes Klischee. Natürlich ist sie auf der Suche nach einem Märchenprinzen. Wie wäre es mit Porno-Bernd (Tobias Hanf)? Fahrlehrer mit "Spitzenfrise" und eine Granate im Bett, solange keine Frau dazukommt. Zweiter Kandidat ist Jan. Millionärssöhnchen, hat Abitur und kann gut denken, hat einen Porsche und kann ihn lenken.

Die "inneren Werte"

Und dann wäre da noch Sören. Kellner in einer Singlebar und selber Single - denn er ist klein. Also: "Kauf Dir eine Vietnamesin . . ."

Spätestens bei dieser Konstellation wusste man, was Sache ist und was passiert: Porno-Bernd ("Brad Pitt und Johnny Depp haben bei mir gelernt") ist der Spaßdepp fürs Publikum, aber kein Kandidat für Sonja, sondern schlichtweg ein "VOLLIDIOT". Jan hingegen, charmant und reich - er muss nur mit dem Diamantring leuchten und Sonja wird weich. Das Fest der Feste am Tag der Tage naht, doch alles floppt und Sonja nimmt den kleinen Sören. Warum? Es kommt auf die inneren Werte an. Außerdem hat er das Drehbuch geschrieben.

Das alles kam putzig rüber. Aber der typische, scharfe "LaLeLu"-Humor wurde übergossen mit zähem Zuckerguss. Süß und schön anzusehen, aber nicht großartig überraschend.

Gottlob gab es auch ein paar gute Nummern im "LaLeLu"-Stil. Beispielsweise den gregorianischen Chor der Mönche, der aus der Tiefe der Ewigkeit jedem Paar riet, nie ohne Ehevertrag zu heiraten und die Firma, die Aktien, die Villa und die Lebensversicherung vom Zugewinnausgleich auszuschließen. Und auch sonst gab es noch ein paar Momente, in denen man sich nicht im Theater wähnte, sondern bei einer Comedy-Show. In erster Linie war das Hanf und Melzer zu verdanken, die mit Witz und Talent immer wieder aufwecken konnten - wohingegen Sören Sieg und Sonja Wilts zu oft in sentimentalen Liedern zerflossen. Da wurde der Zuckergusshumor irgendwann sogar klebrig.

Es war ein witziger Abend, keine Frage, wer "LaLeLu" nicht kannte wird sich tüchtig amüsiert haben. Auch alle anderen hatten ihren Spaß, aber nicht mehr so viel Spaß wie früher. Das war irgendwie nicht mehr "LaLeLu", wie Bad Harzburg es viele Jahre lang geliebt hat. Schade eigentlich.

Lalelu; Foto: Holger Schlegel

Auch wenn sie witzig sind und einen netten Abend bereiten: Tobias Hanf, Sören Sieg, Sonja Wilts und Jan Melzer alias "LaLeLu" können mit ihrer aktuellen Show nicht an frühere Erfolge anknüpfen.

Artikel u. Foto: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Di., 06.03.2007

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2007, Kulturklub Bad Harzburg