Die drei Glorreichen Vier:

Singende Urne und kauzige Brüder

Kulturklub präsentierte mit Jan-Christof Scheibes „Let him swing“ ein Musik-Comedy-Theaterstück im Schloss

Zu einer lustigen Trauerfeier trafen „Die Drei Glorreichen Vier“ am Freitag Abend ihr Publikum im Bündheimer Schloss. Sie boten Unterhaltung vom Feinsten.

Sozusagen als die „Sensation aus Las Vegas“ traten die drei kauzigen Brüder mit der Urnenasche ihres Bandleaders Danny auf sowie mit ihrer Ein-Mann-Big-Band Johannes Wenrich an der E-Gitarre, mit Haarteil, Sprachfehler und zwanghaftem Alle-meine-Entchen-Verjazzungs-Fimmel.

Die Zuschauer erlebten ein launiges Swing-Theaterstück, erfunden, getextet und komponiert vom Hamburger Musiker Jan-Christof Scheibe alias Zwillingsbruder Jey-Jey – der Kahlkopf mit den blauen Augen am wadenhohen Kinderklavier: „Sag niemals Ehevertrag, weil dich deine Liebste sonst nicht mehr mag.“

Der andere Zwillingsbruder, Doc, gespielt vom Schauspieler Jens Asche, war der mit der Bananenallergie und der Sprichwortdiarrhö: „Die dicksten Bauern ... ernten immer nur Kartoffeln“, der im Laufe des Abends tränenreich, doch von den Frauen im Saal bejubelt, sein Haarteil in Bruders Urne versenkte und noch dazu ein weiteres echtes Haar verlor, ein schwer gebeutelter Mann: „Ich vermisse da ein Haar, von dem ich ganz genau weiß, dass es gestern noch da war ...“

Frank Valet, klassischer Sänger, der sich stimmlich mühelos zwischen Swing und Oper bewegte, war der niedliche Kleine von den drei Brüdern: Nick mit dem Sprachfehler, der seine Orgasmen immer vortäuscht, um dabei „to-total souverän auszusehen“. Er verliebte sich schwer in die Dame Ilse aus dem Publikum: „Du bist wu-wu-wu-wu-wu...“ Wurstsalat? Nein. „...wu-wu....Voodoo für mich ...“

Diese drei Brüder vergaßen über dem gegenseitigen Piesacken glatt das Trauern, träumten statt dessen, was sie nach der Testamentseröffnung mit dem vielen Geld anstellen wollten: Endlich nicht mehr in den Hotelbars die kleinen Whiskyfläschchen mit Tee auffüllen müssen. Bis sie erfuhren, dass es kein Geld geben würde: Danny hatte zu Lebzeiten alles für schwere Autos und leichte Mädchen ausgegeben, worauf Jey-Jey mit ihm die A7 asphaltieren will. „Ihr seid doch schon reich“, sang da die Urne mit Dannys Stimme, „reich an Charisma, an Erfahrung und Erkenntnis ...“ Da waren sie wieder versöhnt und äußerten das mit einem weiteren Stück erstklassigem Swing.

Zwischendurch aber wurde ein weiterer Todesfall beklagt: Die rechte Monitorbox, war ausgefallen. „Schade, sie war noch so jung“, ulkte Jan-Christof Scheibe während Frank Valet den Lautsprecher ausgiebig beweinte. Bis Tontechniker Manuel den Schaden behoben hatte, wurde herumgewitzelt, und dann ging es auch schon weiter mit dem wahrhaft haareplattdrückenden Song „Badekappenbaden .... buuuaaaahhh!“.

Begeistert feierte das Publikum diese Show mit dem Titel „Let him swing“, bei der Esther Schweins Regie geführt hatte. Diese Mischung aus Swing, Schauspiel und Quatsch hat richtig Spaß gemacht. Vor allem auch, weil tiefgründige Fragen wie die von Nick: „Wann ist ein Mann ein Mann“? nicht ohne Antwort blieben - Doc: „Irgendwann zwischen dem ersten Nasenhaar und der letzten Ölung.“

J.-C. Scheibe, F. Valet u. J. Asche; Foto: Anke Reimann

Die „Drei Glorreichen Vier“ Jan- Christof Scheibe, Frank Valet und Jens Asche mit ihrer singenden Urne.

Artikel u. Foto: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 15.10.2007

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