"Acht Frauen":

Helle Freude an Finten und Verstrickungen

Starkes Ensemble: "Komödie im Bayrischen Hof" aus München begeistert mit "Acht Frauen" im Kurhaussaal

Das war ein starkes Stück! Es wurde gelogen, geschossen, gerauft und geküsst. Ein genierliches Geheimnis nach dem anderen hervorgekitzelt, verraten, belauert, gelauscht, geheult und gesungen: "Acht Frauen" und eine Leiche - wer war`s?

Mit Robert Thomas' Kriminalkomödie hat der Kulturklub zum Abschluss der Theatersaison noch mal einen Volltreffer gelandet. Im ausverkauften Zuschauersaal herrschte die helle Freude an den Finten und Verstrickungen der Frauen, an ihren Ausreden und Gemeinheiten und an ihrem Charme.

Szenenapplaus

Acht Frauen sind in der Villa des unsichtbaren, gemeuchelt in seinem Bett liegenden Hausherren versammelt: Ehefrau, Schwester, Schwägerin, Töchter, Hausmädchen, Schwiegermutter. Eine von ihnen muss die Täterin sein. Diana Körner spielte die Ehefrau Gaby als grande Dame der Würde: "Nach diesem Schicksalsschlag wird man mir mein Alter ansehen." Sie rollt gegen Ende des Stücks mit ihrer Intimfeindin über den Boden erst kämpfend, dann küssend: "Ich plaudere mit Pierette." Dafür gab es Szenenapplaus.

"Ich bin reich und schön und sie ist hässlich und arm", ätzt Gaby über ihre schrullige Schwester Augustine. Bianca Bachmann war in der Rolle der verklemmt-wollüstigen Augustine so bezaubernd komisch, dass das Publikum diesen unglücklichen Familienharlekin sofort in sein Herz schloss.

Die Spannung steigt, alle sind eingesperrt, das Telefonkabel ist durchgeschnitten, das Eisentor geschlossen, da springt Oma plötzlich aus dem Rollstuhl und intoniert den "Kriminaltango", in den alle einstimmen. Maria Sebalds kernige, hintergründige Oma, immer den Flachmann dabei, war nicht aus der Ruhe zu bringen. Als zum Schluss ein tödlicher Schuss fällt, singt sie: "Man muss das Leben nehmen, wie es eben ist."

Mondän und abgebrüht gab Simone Solga die lebenserfahrene, verrufene Pierette. Ein wenig wie die Dorothy im "Zauberer von Oz" wirkte Julia Ura Wegehaupt als "gar-nicht-Vaters-Tochter" Suzon. Sie begeisterte mit ihrer schönen Singstimme. Sara Sommerfeldts Catherine war kindlich clownesk: "Armer Papa. Er weinte. Es hing eine große Träne an seiner Nasenspitze." Lasziv, mit dunkler Stimme, großen dunklen Augen und wunderschön: Genoveva Mayer als hintergründiges Hausmädchen-Biest: "Tu mir weh, Johnny" war ihr Song. Ebenfalls ein Erlebnis war Regine Hentschel als Kindermädchen Chanel, dem nichts entgeht, drollig und anrührend zugleich, auch sie hat ihr Geheimnis.

Theaterzauber

Regisseurin Helga Fleig hat den Theaterzauber zum Leben erweckt: die Inszenierung steckte voller außergewöhnlicher Ideen, die Pointen saßen, das Timing war perfekt, die Rollen ausnahmslos hervorragend besetzt und ausgefüllt. Die Musik ging ins Herz, jede Frau hatte ein Lied, live gesungen und mit starkem mehrstimmigen Backround, unterstützt von Pianistin Cordula Hacke. Kongenial auch das Bühnenbild von Thomas Pekny: eine halbrunde Arena - kaltheiß mit nacktem Stahl und rotem Samt, dazu die für die Komödie unerlässlichen Türen, halbtransparent, die Lauscherin verratend. Wer war's denn nun?

"Verraten Sie bitte nicht das Ende des Stückes", schreibt der Autor in einem Offenen Brief an die Zuschauer - na, dann eben nicht.

"Besser als der Film"

Eine Zuschauerstimme im Foyer: "Das hat mir besser gefallen als der Film." Und der war immerhin für den Oskar nominiert. Hier hat Theater getan, was Theater kann: Spielend den Augenblick in etwas Einzigartiges verwandeln und unmittelbar berühren/begeistern!

Acht Frauen; Foto: Anke Reimann

Großer Theaterzauber: Die "acht Frauen" verwandeln spielend den Augenblick in etwas Einzigartiges und berühren unmittelbar.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 02.04.2007

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