"Frohe Feste":

Unentschieden zwischen Lachen und Mitgefühl

Kulturklub präsentiert "Frohe Feste" mit Uwe Fellensiek auf der Kurhausbühne Bad Harzburg

Die Männer zerbrechen am Business, die Frauen zerbrechen an ihren Männern, oder man passt sich irgendwie an und geht sich auf diesem Wege verloren - dies ist die Basis der Komödie "Frohe Feste" von Alan Ayckbourn. Den Schmerz der Protagonisten lustvoll auf die Spitze zu treiben, damit die Menschen herzhaft lachen über das, was sie normalerweise ängstigt - das ist das Ziel der Inszenierung. Nur so kann sie funktionieren. Eine schwierige Aufgabe für den Regisseur Folke Braband und das Ensemble der Theatergastspiele Kempf.

Keine Langeweile

Am Freitag Abend war die Aufführung von "Frohe Feste" auf der Kurhausbühne zu erleben. Auch diesmal wieder eine lebendige, spielfreudige Inszenierung, die keine Langeweile aufkommen ließ, jedoch die Meinung der Zuschauer spaltete. "Zu flach und peinlich", meinten einige. "Hervorragend!", fanden andere.

Darsteller Christoph Schlemmer hatte vor Beginn der Vorführung eine kleine Ansprache ans Publikum gerichtet: "Bad Harzburg ist ein schnuckeliges Städtchen. In diesem Stück jedoch geht es nicht so schnuckelig zu. Der Humor ist schwarz bis rabenschwarz." War diese Warnung notwendig? Im Stück geht es um drei Paare, die sich jedes Jahr zu einer Weihnachtsparty treffen. Jedes Paar ist einmal der Gastgeber. In ihren Küchen spielen sich die Dramen ihres Lebens ab. Erster Akt: Kleinstunternehmer Sidney Hopcroft (Christoph Schlemmer) lässt seine Frau Jane (Natascha Hirthe) draußen im Regen stehen, denn sie könnte ihn vor dem reichen Bankier Ronald (Christian Fischer) und dessen mondäner Frau Marion (Patricia Schäfer) blamieren. Da blamiert er sich lieber aus eigener Kraft, denn das ist wichtig für die Karriere.

Zweiter Akt: Eva Jackson (Natascha Hirthe), Frau des erfolgreichen Architekten Geoffrey (Uwe Fellensiek) will sich in ihrer Küche das Leben nehmen, doch keiner bekommt es mit. Klempner Sidney malt Rohre auf ihre Abschiedsbriefe und repariert den Abfluss der Spüle, in den die Schlaftabletten gefallen sind. Die putzsüchtige Jane zieht Evas Kopf fröhlich plappernd aus dem Backofen heraus: "Den Ofen können Sie doch später noch sauber machen ... ach wissen Sie was? Ich mache das für Sie."

Akteure in Hochform

In diesem Akt funktioniert die Inszenierung am besten. Die Akteure laufen zu Hochform auf. Der Kontrast zwischen Evas Tragödie und der engstirnigen und ungebremst fröhlichen Hilfsbereitschaft ihrer Gäste, die allem gilt, nur nicht Evas eigentlichem Problem - dieser Kontrast kitzelt das Lachen aus der rabenschwarzen Ecke.

Der dritte Akt spielt bei Ronald und Marion Brewster-Wright. Wider Erwarten ist deren Küche die allerschäbigste von allen, vom Glamour der vorherigen Auftritte keine Spur mehr. Sidney ist inzwischen zu Erfolg und Einfluss aufgestiegen. Die anderen beiden Männer und mit ihnen deren Frauen sind abgestiegen. Nun müssen sie nach Sidneys Pfeife tanzen, Sidney, der sich am Anfang vor ihnen zum Affen gemacht hat und der nun sie alle zu Affen macht. Die genussvolle Rache eines cleveren Kerls oder nur eine peinliche Obsession? Dieser Abschluss war mehr bitter als komisch, das Lachen verkroch sich hinter dem Mitgefühl.

Dies war ein Problem der Inszenierung: Sie konnte sich zwischen Tragik und Komik manchmal nicht recht entscheiden und verlor dadurch an Kraft. Dennoch wurde ein gutes Stück gezeigt sowie eine starke, wirklich sehenswerte Leistung des Schauspielensembles.

C. Fischer, P. Schäfer, C. Schlemmer, N. Hirthe u. U. Fellensiek (vlnr) Foto: Anke Reimann

Christian Fischer, Patricia Schäfer, Christoph Schlemmer, Natascha Hirthe und Uwe Fellensiek - es fehlt Gabriele Weinspach - sorgen für gemischte Gefühle beim Publikum.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 19.11.2007

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