Michael Ehnert:

Bandscheibe statt Bauchschuss

Michael Ehnerts Lebensgeschichte lockt viele Zuschauer ins Bündheimer Schloß

Ein Bandscheibenvorfall gilt ihm als eine allzu "unmännliche Krankheit". Lieber wäre ihm ein Bauchschuss "á la John Wayne" gewesen. Trotzdem zwingt ihn diese körperliche Unpässlichkeit zur Konsultation eines Arztes. Mit dieser Story beginnt Politkabarettist Michael Ehnert sein neues Programm "Mein Leben", mit dem er am Samstag das Publikum auf Einladung des Kulturklubs im Bündheimer Schloß zu Freudentränen und Beifallsstürmen hinriss.

Um sein Leiden zu kurieren, arbeitet er sich vom Allgemeinmediziner über den Facharzt mit Kernspintomographen zu einer schamanistischen Heilerin vor. Diese kann ihn zwar auch nicht gleich von seinem Leiden befreien, macht ihn aber mit seinem sechsjährigen Alter Ego bekannt. Der Rückblick des 39-Jährigen auf "Mein Leben" beginnt.

In einer wahrhaft saukomischen Persiflage berichtet er von den Helden seiner Kindheit, allen voran Marlon Brando, alias "Don Corleone" im Mafia-Epos "Der Pate" und Westernheld Gary Cooper. Es ist die ungewollte Überidentifikation mit diesen Leinwandhelden, die ihn in seinen weiteren Lebensjahren immer wieder in die amüsantesten Schwierigkeiten bringt. Als 6-Jähriger die coolen Sprüche von Brando und Cooper kopierend, wird er von niemandem so recht ernst genommen. Seine frühzeitigen Ambitionen zur Selbstdarstellung werden von seiner Umgebung nicht gewürdigt. Statt dessen kriegt er bei nahezu jeder Gelegenheit "eins auf die Fresse". Trotzdem bleibt er auch als Erwachsener davon überzeugt, dass es die "Bildermacher sind, die das Weltgeschehen lenken". Welchen anderen Grund sollte es sonst geben, dass er "auf eine Millionen Werbe- und Filmfloskeln zurückgreifen, aber sich nicht an den Namen des ersten Mädchen, das er geküsst hat, erinnern kann". Die Behandlungsmethode der Schamanin scheint neben dem Bandscheibenvorfall genau diese mentale Verspannung in ihm lockern zu wollen.Die Konfrontation mit seinem eigenen 33 Jahre jüngeren Ich dient ihm als glanzvolles Stilmittel für seine Bühnen-Autobiographie.

Ständig wechselnd zwischen Gesellschaftlichem und Persönlichem ist Ehnerts erstes Solo-Programm zu Recht mit Lobeshymnen und Auszeichungen wie etwa dem Deutschen Kabarettpreis überhäuft worden. Die Zuschauer im Bündheimer Schloß zeigten mit ihrem reichlich gespendeten Beifall, dass sie diese Ansicht teilten.

Foto: Axel Hengehold

Kabarettist Michael Ehnert riss sein Publikum im Bündheimer Schloß zu wahren Beifallsstürmen hin.

Foto und Artikel: Axel Hengehold, Goslarsche Zeitung von Mo., 15.01.2007

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