"Ego":

Theater von der Stange - einfallslos und öde

Eurostudio Landgraf gastiert mit "Ego - Drei auf der Couch" und Uwe Friedrichsen im Kurhaus

Theater darf nahezu alles: erschrecken, belustigen, verunsichern, erzürnen, irritieren, ... erfreuen natürlich; es darf nur eines niemals: langweilen. Damit gräbt es sich seine eigene Grube, untergräbt die Leistungen der Akteure, die vielleicht ihr Bestes geben und ihr Publikum dennoch nicht erreichen. Wo liegen die Gründe dafür?

Lautsprecher brummelt

„Ego – Drei auf der Couch“ heißt das Theaterstück von Carl Djerassi, produziert vom Eurostudio Landgraf, aufgeführt am Freitag auf der Bühne Bad Harzburg. Das Stück spielt in der Praxis des Psychotherapeuten Dr. Theodore Hofmann, grüne Wände, abgeschabte Couch, hier soll sich an diesem Abend die Magie des Theaters entfalten.

Der Vorhang öffnet sich quietschend. Es folgt irgendein Szenen-Einführungs-Musik-Schnipsel, so ein Aufteilungsding, das es in tausend anderen Inszenierungen schon gab und gibt. In diesem Fall sorgt er für einen stetig brummenden Lautsprecher am Bühnenrand.

Auf der ollen Couch liegt der erfolgreiche, berühmte Schriftsteller Stephen Marx mit dem verwegenen Plan im Kopf, seinen Tod vorzutäuschen, um die Nachrufe der Literaturkritiker zu lesen, um eine andere Identität anzunehmen, als eine andere Person ganz andere Bücher zu schreiben, was er dann auch in die Tat umsetzt. Was ist das für ein Kauz, dieser Schriftsteller, der über dem Schreiben seine eigene Frau vergisst? Nein, er ist kein Kauz, und er ist auch nicht wirklich ein Schriftsteller – er ist der bekannte, routinierte Schauspieler Uwe Friedrichsen, der den Schriftsteller spielt.

Friedrichsen spricht den Text mit Verve, eindringlich, professionell, beherrscht die Bühnenposen aus dem Effeff, aber er wird dadurch nicht zum Schriftsteller, der seine Identität wechseln will. Er berührt nicht, weckt weder Sympathie noch Antipathie, ist weder kauzig noch verschroben, nicht versponnen oder komisch, von seiner eigenen Idee weder begeistert noch überrascht. Er ist irgendwie einfach nur eine Bühnenfigur mit viel Text. Es folgen ein Szenen-Trennungs-Musik-Schnipsel und stetes Lautsprecherbrummen.

Claudia Buser als die vernachlässigte, sich gewitzt-genüsslich rächende Ehefrau Miriam setzt ebenso auf schauspielerische Techniken: bestimmte Theaterposen für diverse Emotionen, von einem Satz auf den nächsten werden sie ausgetauscht wie auf Knopfdruck. Das Kostüm zwingt die Schauspielerin meistens zum Zusammenpressen der Knie, ihr schönes Lächeln erscheint als Teil der Inszenierung an den vorgeschriebenen Stellen. Es folgt ein Szenen-Trennungs-Musik-Schnipsel.

Ralf Weikinger als Therapeut Hofmann findet noch weniger zu seiner Figur. Er lässt eine gewisse Verzweiflung erkennen, auch eine mitunter nicht nachvollziehbare Betroffenheit. Dieser Therapeut setzt sich für irgend etwas ein, doch für was, das wird nie ganz deutlich.

Vorhang quietscht

Wie kommt es, dass ein professionelles Team sein Publikum nicht erreicht? Lag es an der Regie von Petra Dannenhöfer? Wo waren die szenischen Einfälle? Das Verspielte, das Experimentelle, das ein Theaterstück lebendig werden lässt?

Djerassis Textvorlage war ganz und gar nicht die Ursache für die Ödnis im Zuschauerraum. Mit Einfallsreichtum, genügend Zeit und Liebe inszeniert, kann sie ein Theaterpublikum gleichzeitig zum Weinen und zum Lachen bringen. Aber was vom Euro-Studio im Kurhaus geboten wurde, war Theater von der Stange. Diese Spezies wird stets jegliche Autorenleistung dahinmeucheln.

Quietschend schließt sich der Vorhang, der Lautsprecher hört auf zu brummen.

R. Weikinger, C. Buser, U. Friedrichsen; Foto: Anke Reimann

Ralf Weikinger als D. Theodore Hofmann, Claudia Buser als Miriam Marx, Uwe Friedrichsen als Stephen Marx.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 12.03.2007

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