"Chez Jacques":

Das Schloß am Ufer der Seine

Tilman Finckh und sein Ensemble "Chez Jacques" bezaubern mit Chansons die Kulturklubgäste

Dieser Abend schmeckte nach Bordeaux. Er roch nach Gauloises-Zigaretten. Ohne Filter. Natürlich. Ein Abend irgendwo in Frankreich, in Paris am besten, in einem Café, einem Restaurant, oder einem Bistro. Aber dieser Abend war gar nicht wirklich Frankreich. Er war nicht Paris, er war Bündheim, aber das merkte man fast gar nicht. Der Kulturklub hatte "Chez Jacques" zu Gast, ein Ensemble, das sich der Musik der Franzosen verbunden fühlt, dessen Sänger Tilman Finckh das Chanson liebt und lebt.

Die Gemeinde der Freunde Frankreichs ist in Bad Harzburg nicht zuletzt durch die Städtepartnerschaft präsent und auch recht stattlich. Allerdings reicht ihre Liebe zu Frankreich wohl nicht aus, einen Saal so zu füllen, wie das Ensemble "Chez Jacques" es eigentlich verdienen würde.

Auf der anderen Seite hat und verträgt das französische Chanson, gerade das des unvergessenen Jacques Brel, ja durchaus auch etwas Intimes. Tilman Finckh jedenfalls sang, als ob es um ihn herum nichts mehr gab außer Musik. Die Augen geschlossen, war er mitten in der Welt der leidenschaftlichen Trauer, der dramatischen Freude, der spitzen Ironie und auch des dumpfen Trübsals. Er fühlte wirklich das, was er da sang, sei es die Tragik von Jacky, der "eines Tages für welke Frauen singt", sei es das Leben von Jef, der nicht so allein ist, wie er glaubt, sei es das Schicksal von Blumen, die in Töpfen und Vögeln, die in Käfigen gefangen sind. Tilman Finckh litt, liebte, sackte unter Trauer ein und zuckte im nächsten Moment vor Lebensfreude.

Aber alles ohne übertriebenes Pathos oder langweilende Theatralik, sondern nur mit der Stimme, der Mimik, der Gestik und natürlich den Liedern der Chansoniers, voran Jacques Brel. Getragen wurde der Sänger von einem Quartett ebenso überzeugender Musiker, unter ihnen mit Szilvia Csaranko sogar ein junges Talent mit Harzburger Wurzeln, das jetzt in Hildesheim die Arrangements für "Chez Jacques" schreibt.

Und so schenkte auch sie den Bad Harzburgern einen Abend Frankreich. Nach zwei Stunden endete der mit stehenden Ovationen und ehrlichem Applaus. In diesen zwei Stunden war die Seine am Bündheimer Schloß vorbeigeflossen. Die Menschen schlenderten nun an ihrem Ufer nach Hause, schlugen den Kragen des Mantels gegen die Kälte ein wenig höher, steckten sich eine Filterlose in den Mundwinkel - und hörten im Herzen noch lange die Musik von Jacques Brel.

Chez Jacques; Foto: Holger Schlegel

Die Pianistin Szilvia Csaranko schreibt die Arrangements für "Chez Jacques", dem Ensemble, das Tilman Finckh (Mitte) einst in Marseille gründete.

Artikel u. Foto: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 10.12.2007

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