Veronika Beci:

Die nötigen Ecken und Kanten

Eichendorff-Biographin Veronika Beci erinnert an einen großen Dichter

In einer Gemeinschaftsveranstaltung gedachten die Bad Harzburger Goethe-Gesellschaft und der Kulturklub Bad Harzburg am Montagabend des 150. Todestages des großen deutschen Romantik-Dichters Joseph von Eichendorff. Die Referentin des Abends, Dr. Veronika Beci aus Münster, wiederholte nicht nur die Stationen seines bewegten Lebens zwischen lebhafter Poesie und nüchterner Verwaltungstätigkeit, sondern bettete diese auch auf gekonnte Weise in das damalige Zeitgeschehen zwischen Ancien Regime und Deutschem Vormärz ein.

Ein Vertreter seiner Zeit

Als Sohn eines adligen Gutsherren wäre Eichendorffs Leben als schlesischer Junker wohl eher unspektakulär verlaufen. Das Jugendporträt, das sie von Eichendorffs Studentenzeit in Halle präsentierte, zeigte einen draufgängerischen wohlhabenden Mann, wie er eben für jene Zeit ganz typisch gewesen ist. Zwar hatte Eichendorff sich schon in jungen Jahren - sehr zum Unwill seiner Mutter - mit der Schriftstellerei befasst; aber allzu glatt und konturlos ist sein Leben bis dahin verlaufen. Hätten die Kriege zwischen dem napoleonischen Frankreich und Preußen sein Leben nicht entscheidend verändert, wäre Eichendorff wohl kaum eine solche bedeutsame Person der Romantik geworden. Beci porträtierte nicht nur den Dichter Eichendorff, sondern warf auch einen Blick hinter die literarischen Zeugnisse. Regelrecht mitfühlend zeichnete sie seinen Lebensweg vom verarmten Adligen zum lustlosen Beamten nach, der sich nur zur Arbeit aufraffen kann, weil es um das Wohl und die Versorgung seiner Familie geht.

Der Verlust des väterlichen Vermögens, der sich während des Krieges verspekuliert hatte, brachte Eichendorffs Leben die nötigen Ecken und Kanten bei, die sich in seinen späteren Werken abzeichnen. Ausgerechnet im protestantischen und kantianischen Königsberg musste der Katholik Eichendorff sich später als Verwaltungsangestellter verdingen. Wie in einem "Käfig" habe er sich unter den "philisterischen Aktenfressern" gefühlt, fernab vom turbulenten Leben der Hauptstadt Berlin, aufgrund seiner schlesischen Abstammung und seines protestantischen Glaubensbekenntnisses ohne Aussicht auf eine bessere Position.

Leben des Taugenichts

Im kulturellen Gedächtnis geblieben sei Eichendorff hauptsächlich wegen seiner Lieder sowie seines hinlänglich bekannten Werks "Aus dem Leben eines Taugenichts". Selbst Zeitgenosse Otto von Bismarck habe sich sechs Jahre vor dem Tod Eichendorffs im November 1857 bei einem Treffen der beiden schon gewundert: "Ich wusste gar nicht, dass der Mann noch lebt."

Veronika Beci; Foto: Axel Hengehold

Dr. Veronika Beci stellt auf Einladung des Kulturklubs und der Goethe- Gesellschaft den Dichter Eichendorff vor.

Artikel u. Foto: Axel Hengehold, Goslarsche Zeitung von Di., 27.11.2007

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