Alfons:

"Bad Arzburg: Alle arbeitslos, komplett ungebildet, Provinz"

Dreiste Späße, charmanter Auftritt, viel Applaus: Alfons begeistert im Bündheimer Schloß mit einer Mischung aus alten Filmen und neuem Witz

Kaffeeflecken zieren das hässliche Hemd von Alfons. Seine Turnschuhe sind billig, die Frisur erregt Mitleid. Was in seinen Fernsehinterviews funktioniert, gelingt auch auf der Bühne. Mehr als 300 Gäste applaudieren diesem liebenswerten Trottel aus Frankreich. „Bad Arzburg: Alle arbeitslos, komplett ungebildet, Provinz“, schreibt Alfons auf einen kleinen Zettel, und alle im Saal lachen darüber. Aber im Grunde, und das ist das Gemeine an seiner Nummer, lacht der Franzose mit dem netten Akzent über Bad Arzburg.

Banale Interviews, auf einem Hamburger Wochenmarkt mit Puschel-Mikrofon geführt, haben den Herrn in der fiesen Trainingsjacke bekannt gemacht. Die Ausschnitte davon, die am Samstag nicht fehlen durften, sind aber nur das schmückende Beiwerk seiner Gesellschaftskritik an uns Deutschen. Das Überraschende ist: Er kann es auch auf die ernstere Tour. Alfons lästert über alte Damen, die in Cafés tratschen und nörgeln. Was auch immer sie sagen, es ist negativ. „Schlimm. Ich höre immer nur dieses Wort. Schlimm“, sagt Alfons.

Ältere Passanten gefragt

Die Taktik bei seinen Interviews ist bekannt. Alfons stellt sich dumm, die Menschen vor der Kamera öffnen sich und sind ohne Ehrfurcht vor dem Fernsehen erschreckend ehrlich. „Alles, was humpelt und schrumpelt, kommt hierher – sogar die Polen“, sagt einer seiner Befragten über die Ausländer in Deutschland. Alfons fragt mit Vorliebe ältere Passanten. Die mit den weißen Socken in den Sandalen, die mit den Vorurteilen. Viele seiner Filme, die er in Arzburg einstreut, sind noch aus der D-Mark-Zeit und haben ein wenig Staub angesetzt. Aber die Botschaft bleibt: „Seine“ Deutschen sind merkwürdig. Sie sind gegen Ausländer, gegen die Politiker, eigentlich gegen fast alles. Schlimm. Im Fernsehen ist Alfons neue Wege gegangen. Weg vom Markt auf den Ballermann, zum Castor-Transport, zum Verdi-Warnstreik. Auch dort führt er alle vor, ohne dass sie es merken. Auf der Bühne wird er zudem nachdenklich und melancholisch. Um dann im nächsten Augenblick zu verraten, dass seine hübsche Assistentin (Natalie am Klavier) nur in Deutschland ist, weil sie ein neues Gebiss wollte. Rums, das sitzt.

„War das hier Kultur?“

Alfons, in Bad Harzburg Gast des Kulturklubs, nimmt sich auch selbst auf die Schippe. „Kulturklub? War das hier wirklich Kultur“, fragt er kurz vor seinem Abtritt. Jedenfalls war es liebenswerte Kleinkunst. Im Fernsehen wird der Mann früher oder später eintönig, auf der Bühne kann seine Figur länger überleben. Über seine Rückkehr nach Bad Harzburg wurde noch während des Auftritts verhandelt. Er darf wohl im März 2008 wiederkommen. So spät erst. Schlimm.

Alfons; Foto: Holger Schlegel

Schon fast ein wenig deutsch: Seine Banane, die Alfons während des Auftritt im Bündheimer Schloß vertilgt, hat er in einer bananenförmigen Tupperdose mitgebracht. Die Rolle als dummer, naiver Fragensteller spielt er ungemein intelligent - und bekommt viel Applaus.

ZUR PERSON: Die Zugabe ist geschafft, das letzte Autogramm geschrieben – seine Rolle als Trottel mit französischem Akzent, der abseits der Bühne kaum noch zu hören ist, legt Alfons schnell ab. „Ich hätte mit DVDs von meinen Interviews viel Geld verdienen können. Aber ich entwickle mich lieber auf der Bühne weiter“, sagt Emmanuel Peterfalvi, wie Alfons im richtigen Leben heißt, und sieht zufrieden aus.

Der 39-Jährige tritt nach seinem Auftritt im Bündheimer Schloß als Kumpeltyp auf. Er erzählt gerne die Geschichte seiner Kunstfigur, mit der er im Fernsehen schon mehr als 200 Interviewfolgen bestritten hat. Wie es Alfons bis zu „Extra 3“ und „Verstehen Sie Spaß“ geschafft hat? „Ich bin vor zehn Jahren nach Deutschland gekommen, weil ich in Frankreich nicht den Militärdienst machen wollte“, sagt Alfons. Er erhielt in Hamburg ein Praktikum bei einem Fernsehsender, arbeitete erst hinter der Kamera und hat es dann vor ihr versucht.

Für den NDR hat Alfons die Men- schen an der Pommes-Bude auf dem Markt befragt, denen er zuvor oft aufs Maul geschaut hat und von denen er viel über Deutschland ge- lernt hat. Die Proben seiner Arbeit begeisterten Friedrich Küppersbusch, einst Moderator, heute Journalist und Fernsehproduzent, der ihn förderte. „Heute lebe ich von Menschen, die vor einer Kamera authentisch sprechen“, sagt Alfons über die Deutschen, die er mittler- weile sehr liebenswürdig findet.

Artikel: Christian Otto, Goslarsche Zeitung von Di., 05.02.2007
Foto: Holger Schlegel

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