6-Zylinder:

Gold in der Kehle, Schalk im Nacken

"Sechs Zylinder" bezaubern ihr Publikum

Motorsportfans werden sich wundern, Kulturfreunde wissen es schon lange: "Sechs Zylinder" können nicht nur dröhnen, sondern auch singen. Und das, wie sie mit ihrem zweiten Konzert im Bünd- heimer Schloß bewiesen, in einer Harmonie, die jeden Motoren- bauer vor Neid erblassen lässt.

Der Name ihres neuen Programms ist denkbar einfach: "Singen". Die Show, die das A-Capella-Ensemble "Sechs Zylinder" aus Münster am Freitag im Bündheimer Schloß präsentierte, war eigentlich auch genau das. Singen eben. Und trotzdem blieb im Publikum kein Auge trocken.

Instrumente überflüssig

Instrumentale Begleitung war überflüssig, als die "Sechs Zylinder" loslegten. Allein mit ihren Stimmen gelang es den studierten Musikern, populäre und weniger bekannte Stücke aus den unterschiedlichsten Musikgenres neu zu interpretieren.

Klassiker wie das Lied "Tauben vergiften im Park" wurden ebenso überzeugend 'rübergebracht wie Modernes. Und jedes Stück bekam durch die kabarettistischen Darbietungen noch ein kleines Sahnehäubchen zum rein musikalischen Genuss obendrauf. Bei dem Lied "I am a Train", entstand auf der Bühne wirklich der Eindruck eines sich bewegenden Zuges, komplett mit Abfahrt, Beschleunigung, Tunnel, Bremsvorgang und Ankunft im nächsten Bahnhof. Das Sextett ist dermaßen gut aufeinander eingestimmt, dass selbst Stücke mit so schwierigen und fortdauernden Wechseln in Lautstärke und Rhythmus perfekten Wohlklang erreichen.

Brillantes Miteinander

Dabei ist es gar nicht lange her, dass die Band sich neu formieren musste. In diesem Jahr verließ Winne Voget die Gruppe und wurde erst vor etwa zwei Monaten durch den Berliner Bariton Marco Billep ersetzt. Die anderen Mitglieder, namentlich Tilo Beckmann und Thomas Michaelis (beide Countertenöre), Nicolas Leibel (Tenor), Jos Gerritschen (Bariton) und Henrik Leidreiter (Bass) sind als A-Capella-Gruppe schon seit Jahrzehnten in der Musikbranche aktiv.

Dass der Neuzuwachs sich gut in die Gruppe integriert hat, merkte man besonders an den Stücken, die den Gesang mit humorvollem Kabaretteinlagen szenisch unterstützten. Am beweglichsten auf der Bühne zeigte sich allerdings Thomas Michaelis. Er glänzte nicht nur mit ausgefallenen Tanzschritten, sondern machte auch als "stiller Zecher" in dem gleichnamigen Song eine einzigartige Figur. Dass die anderen Bandmitglieder nicht nur singen, sondern auch fast genau so gut schauspielern können, bewiesen sie als "Männerballettgruppe", mit der sie das eher melancholische "The Rose of Spanish Harlem" zur gelungenen Lachnummer werden ließen.

Insgesamt war der Abend eine Veranstaltung, bei der für alle etwas dabei gewesen sein dürfte. Es war die Mischung aus Slapstick, Gesang und Theater, die so begeisterte. Das Publikum entließ die "Sechs Zylinder" jedenfalls erst nach ohrenbetäubendem Applaus und einer ordentlichen Portion Zugaben.

6-Zylinder; Foto: Axel Hengehold

Purer Spaß auf der Bühne: Die "Sechs Zylinder" Nicolas Leibel, Marco Billep, Tilo Beckmann, Jos Gerritschen, Thomas Michaelis und Hendrik Leidreiter (von links) brachten das Publikum zum Toben.

Foto und Artikel: Axel Hengehold, Goslarsche Zeitung von Mo., 23.10.2006

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