Womedy:

Hungrig in Essen, unglücklich in Freudenstadt

Comedy-Quartett Womedy begeistert mit vollem Körper- und Stimmeinsatz und frechem Humor im Bündheimer Schloss

"Schlaflos in fremden Betten" - Womedy kam am Samstagabend in Pyjama und Morgenmantel und mit Moll-Akkorden gähnend ins Bündheimer Schloss. Doch dieser Anfang war nur Anlass, danach um so mehr aufzudrehen und mit vollem Körper- und Stimmeinsatz das Publikum im nahezu ausverkauften Saal mit furiosem Gesang und hintersinniger, frecher Comedy zu unterhalten.

Drei Frauen - blond, schwarz und brünett - und der Mann am Klavier, das sind Womedy. Ihre Themen sind vielfältig: "Künftig wollen wir vernünftig leben und uns maßlos in den Rausch ergeben" oder "das Klimakterium schlägt zurück", eine Ode an Billy Boy, das Kondom. Und was ist peinlicher: Hämorrhoiden oder Inkontinenz? Vom Stuhl gefegt wird der einzige Mann der Truppe beim wütigen PMS-Rap. Prämenstruelles Syndrom - nie gehört?

Die Texte stammen vorwiegend aus der Feder von Mai Horlemann. Die Frau mit der tiefen Stimme, die "kühle edle Gans", sorry, die "kühle Eleganz" der Truppe. Sie suchte und fand einen Ort: Mailand. Zuvor jedoch war sie hungrig in Essen, unglücklich in Freudenstadt, mit Blasenkatarrh in Darmstadt, hatte Krach mit Peter in Karlsruhe, wollte nicht loben auf Rügen und hat nichts erreicht in Erlangen.

Sopranistin Natascha Petz suchte einen Mann per Power-Speed-Dating, per Internet und Annonce in der Apotherkerzeitschrift. Wunderschön sang sie den "Rosen-Chanson", legte einige pfundige Tänze aufs Parkett, um am Ende als Königin der Nacht das ganze Ensemble und sich selbst in einem schrägkomischen Eifersuchtsrausch dahinzumeucheln.

Jazz-Sängerin Lynne Williams, brasilianisch-philippinische Berlinerin, brachte Farbe und Exotik ins Programm, denn ihr Heimweh nach Brasilien, "nach wenigen Textilien" und Unpünktlichkeit, entlud sich mit echt brasilianischem Temperament und zauberte südliche Sonne auf die Bühne.

Und Hanno Siepmann, Chatname "Rambo 2000", Goldfischdompteur und einziger Mann im Frauenrevier, stimmte das Programm mit gepeinigtem Blick und F-moll ein, denn diese Tonart stünde "für Einsamkeit und Not". Doch er lebte deutlich auf bei der Darstellung des Fußballspiels seiner Heimatgemeinde Essen-Krey gegen Rot-Weiß Essen, bei dem das nagelneu gekaufte Kulturklub-Klavier sogleich per Kopfball und Hackentrick seinen Härtetest erfuhr.

Der Abend endete mit einen Loblied auf Womedy, mit Eigenlob, das diese vier Künstler gar nicht nötig haben, denn das ist der gern gegebene Part des Publikums.

Womedy; Foto: Anke Reimann

Mai Horlemann, Lynne Williams und Natascha Petz, gleich drei Frauen in Rot: kein leichtes Los für Hanno Siepmann am Klavier

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 27.02.2006

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