Hardy Krüger:

Der tote Ehemann als lebendiger Rabe auf der Stehlampe

Weltstar Hardy Krüger liest auf Einladung des Kulturklubs Bad Harzburg unveröffentlichte Geschichten im Bündheimer Schloss

Hardy Krüger auf der Bühne des Bündheimer Schlosses lächelt ins Publikum: "Das ist ja ein herzlicher Empfang! Das ist hier immer so. Jedes Mal, wenn ich zu Ihnen komme, macht mir das einen Riesenspaß. Von hier oben sehen Sie aus wie Kinder kurz vor der Bescherung." Ja, genau! 240 Menschen empfangen den 78jährigen Weltstar voller Freude und mit großer Verehrung, gespeist aus unzähligen Erinnerungen, die bei manchem gut fünfzig Jahre zurückreichen. Da war Hardy Krüger ein Filmstar geworden, spielte bald mit Claudia Cardinale, Yul Brynner, John Wayne, James Steward, Sean Connery, Robert Redford, . . . später wurde er der berühmte Weltenbummler, schrieb Sachbücher, Romane, Geschichten, prall von den Eindrücken ungewöhnlicher Orte und Begegnungen rund um den Globus.

Drei Erzählungen hat er mit nach Bad Harzburg gebracht. Sie werden erst im kommenden Jahr in einem Buch veröffentlicht, eine Art Vorpremiere also. Krügers tragende, tiefe, wandlungsfähige Schauspielerstimme entführt seine Zuhörer zunächst nach Irland. Ein Jahr habe er auf Bitte des Regisseurs Stanley Kubrick in Dublin gelebt. "Ich versuchte, die dünne Trennungslinie zu überschreiten, die zwischen einem Touristen und einem Gast liegt." Mit dem Vertrauen der Menschen gewann er ihre Geschichten: Drei Männer hat das irische Stubenmädchen Ann, zwei lebende und einen toten, der als Rabe auf der Stehlampe im Wohnzimmer sitzt. Hardy Krüger ist ein starker, humorvoller Erzähler und Gott liebt Erzähler, sagt Ann.

Widerwärtige Verbrecher

Die zweite Tour ist eine Zeitreise in das Jahr 1943. Ein junger Mann, Filmstar in Babelsberg, verliert seine Geliebte bei einem Bombenangriff während des Weihnachtsfestes: "Mein Herz ist nicht schwer, nein, es ist so leicht, ich glaube, ich habe keines mehr". Hardy Krüger blickt von seinen Manuskriptzetteln auf. "Warum erzähle ich die Geschichte heute Abend: Der Tod dieses Mädchens war vorbestimmt seit dem Januar 1933, als ein Verbrecher an die Macht kam, umgeben von einer ganzen Bande widerwärtiger Verbrecher. Heute sehe ich mit Entsetzen, mit einer unbändigen Wut, dass die Nachfolgeverbrecher mit der NPD in die Landtage eingezogen sind. Ich möchte Sie bitten, mit zu helfen, dass den Nachfolgeverbrechern das Handwerk gelegt wird." Die Leute nicken, applaudieren.

Die dritte Reise führt in die Luft über dem brasilianischen Dschungel, von oben ein "Urwald wie Petersilie" dieses Land der Endlosigkeit, da, wo das Vertrauen der Ureinwohner nur "auf dem Boden von sehr viel Zeit wächst". Ein weißer Pilot fliegt eine Journalistin zu einem Indiostamm, bei dem er einst mehrere Monate lang gelebt hatte, genau wie sein Schöpfer Hardy Krüger, dem er irgendwie ähnelt. Doch nicht die Geschichte des Piloten wird erzählt, sondern die der Indios. Traurig sind diese Geschichten und lustig und voller Liebe.

Er hat Zeit mitgebracht

Liebevoll auch die Geste, mit der Hardy Krüger den Bad Harzburgern am Ende der Lesung seine amerikanische Ehefrau Anita Krüger vorstellt, die als Standfotografin bei all seinen Weltenbummler-Touren dabei war. Die Fotografien seiner Sachbücher stammen von ihr.

Gemeinsam sitzen sie schließlich auf der Bühne, umringt von ihren Verehrern, die Fotos und Bücher zum Signieren bringen, ihre eigenen Geschichten erzählen, Erinnerungen und Dankesworte sprechen. "Wir haben Zeit mitgebracht", ermutigt sie Hardy Krüger, kein Mensch ist ihm zuviel, sie haben alle Platz in seinem großen, weiten, kraftvollen, außergewöhnlich erlebnisreichen Leben.

Hardy Krüger; Foto: Anke Reimann

Hardy Krüger nahm sich nach seiner Lesung noch viel Zeit für die vielen Verehrer und Verehrerinnen.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 05.12.2006

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