Jaqueline Kroll:

Großartige Gesangskunst und unaufdringlicher Quatsch

Kulturklub präsentierte einen herzerfrischenden A-capella-Liederabend mit "Jaqueline Kroll" im Bündheimer Schloss

"Jaqueline Kroll" - das sind seit nun schon 13 Jahren fünf ausgebildete Sänger auf einer Bühne, die da stehen und singen: "Chattanooga Choo Choo". Das ist zunächst alles, bis sich einer der Männer mit der Stimmgabel auf den Schneidezahn fühlt und das folgende "Wenn ich vergnügt bin, muss ich singen" zum Zungenbrecherwettstreit à la "ackepacke-eierwacke-meine-Lippe-ist-schneller-als-deine" wird.

Zu diesem Zeitpunkt sind im Publikum die ersten Gluckser zu hören. Das breitet sich aus. Langsam, aber mit Macht. Dr. Danilo Kardels Ansagen zwischen den Liedern bewirken, dass das Zuschauerhirn in einer angenehmen Schwebe bleibt - mit solchen Sätzen wie zum Beispiel: "Die Zeit braucht auch ihre Zeit, wenn wir ihr die nicht geben, dann haben wir auch keine."

Woraufhin das coole Quintett mehr und mehr auftaut, durch kleinste Gesten immer größeres Gelächter erzeugt, verpackt in atemberaubenden A-capella-Darbietungen, bei denen auch mal mehrere Lieder gleichzeitig gesungen werden.

Da verliert eine spanische Fliege knallschlags ihr Leben, trifft James Bond auf Tatort, wird Dieter Schweigels herzinniges "My Way" von noch herzinnigeren Hustensalven des Kontrabassisten Rainer Piwek kontrapunktiert.

Ganz stark ist Piweks Performance von "In the air tonight" - der Mann kann nicht nur bärenartig husten, sondern mit seiner Stimme so ziemlich alles erreichen, was er will: von Reibeisenjazz bis Königin-der-Nacht-Falsett. Mozarts ganze Zauberflöte in vier Minuten und alle 203 Beatles-Titel in zehn Minuten, das ist, als hätten die fünf Sänger tausende Tonbandschnipsel in die Luft geworfen und fein wieder zusammengefügt, dass es klingen und schwingen kann in ihren Stimmen samt kleinem Zwischengelächter und finalem Sprung in der Platte. Die vom Ensemble erarbeiteten Arrangements sind voller Überraschungen.

Martin von Allmen, Meister der Improvisation, des grimmigen Blicks und der unerwarteten Komik, baut auch mal ein besonderes Verhältnis zu den Innereien des nagelneuen Kulturklub-Klaviers auf. Die Zuschauer kringeln sich inzwischen auf ihren Plätzen. Dieser Mixtur aus wirklich großartiger Gesangskunst und einer ordentlichen Portion unaufdringlichem Quatsch kann keiner widerstehen.

Und als aus Versehen doch mal ein Handy geklingelt hat ins Brummen des Kontrabasses hinein und alle Sänger schon Luft holen, um zu singen, da meint Bassbariton Gunnar Deutschmann ganz leise: "Vielleicht war's ja wichtig." Und alle müssen ausatmen und noch einmal Luft holen, zwo, drei ...

"Ist doch nicht schlimm, so ein Handy", sagt da der Bassbariton. Das Hirn darf schweben und das Zwerchfell wackeln: Künstler und Publikum haben mehr und mehr Spaß miteinander.

Aber warum nennen sich fünf Männer "Jaqueline Kroll"? "Es ist einfach ein gut klingender Name, den wir mit Leben füllen wollten", sagt Gunnar Deutschmann, und das muss als Erklärung genügen.

Jaqueline Kroll; Foto: Anke Reimann

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Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von

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