Arnold Krohne:

Glitzernder Galgenvogel mit Spültuch und irrem Blick

Arnold Krohne singt auf Einladung des Kulturklubs Lieder von Brecht und begeistert das Publikum im Schloß

Der Pausendialog: "Ganz schön abgefahren, oder? Aber gut!" Sekt und gute Laune beim Bertolt-Brecht-Abend des Kulturklubs im Bündheimer Schloss: Der Sänger Arnold Krohne präsentierte dort am Freitagabend sein aktuelles Liederprogramm "Galgenvögel" so stimmgewaltig, dass die leeren Gläser unter den Stühlen umkippten.

Begnadeter Pianist

Als großer schwarzer Rabe im Glitzergewand zeigte Krohne viel Freude an Brechts Kraftausdrücken, und kraftvoll war auch sein Vortrag. Die lebhaften Klavierarrangements des begnadeten Pianisten Marian Lux waren ein Ereignis für sich, doch letztendlich hingen die Blicke der Zuschauer beinahe ununterbrochen gebannt am Gesicht des Sängers. Denn darin spiegelten sich alle Höhen und Tiefen der wilden, schrägen, grausigen, komischen und traurigen Geschichten Brechts: Da war die Seeräuber-Jenny mit ihrem Spültuch und dem irren Blick, die Höllenlilli, das ertrunkene Mädchen, der miese Mörder Mackie Messer und Mutter Beimlein, die auf den Strich geht und ein Holzbein hat, in dem ein Nagel steckt für den Hausschlüssel. All diese Leute erschienen in Krohnes Gesicht und verschwanden wieder mit dem nächsten Lied.

Begeistert reagierten die Zuhörer. Manche kennen Arnold Krohne schon seit seiner Kindheit, "nicht wahr, Tante Mechthild?" Er konnte sein Publikum auch mal beim Namen nennen, schließlich stammt er aus Vienenburg, ist in Bad Harzburg zur Schule gegangen, dann klassischer Sänger geworden, ein Vollprofi, der jetzt in Berlin lebt. Einer der Glamour mitbringt, wenn er zu Besuch erscheint, etwas, das alltags in Bad Harzburg nicht so leicht zu finden ist.

Nach der Pause kreiste der Galgenvogel über düsteren Geschichten vom Krieg. "Soldaten wohnen auf den Kanonen", "Lied einer deutschen Mutter", "Das Lied vom Weib und dem Soldaten" und dann Gänsehaut: "Am Grunde der Moldau wandern die Steine, es liegen drei Kaiser begraben in Prag, das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine, die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag." Arnold Krohne hat eine schöne, natürliche Stimme. Die langsamen, melancholischen Lieder gehen wirklich unter die Haut. Oder auch das Friedenslied, mit dem die Soldaten irgendwo hinter einer Pflaumenbaumplantage verschwanden - wer singt heute noch auf so einer Bühne ein Friedenslied? Krohne kann das. Man nimmt es ihm ab. Die meisten Zuhörer waren bei allen Liedern völlig gebannt.

Prall mit Leben gefüllt

Am Ende kam noch der ewig pfeiferauchende, herzlose Hund Surabaya-Johnny, und Alabamas Whisky-Bar als schräge Slapstik-Nummer und nach vielen begeisterten "Bravooo!" und "Zugabe"-Rufen auch der gute alte Bilbao-Mond, der einst über Bills Ballhaus schien. Das war klasse. "Wir haben viele Lieder schöner gemacht als sie sind", erzählte Arnold Krohne später. Marian Lux hat sie neu arrangiert: "Sie sollten nicht so spartanisch sein." Waren sie nicht. Sie waren so prall mit Leben gefüllt, wie man es sich für einen solchen Abend nur wünschen kann.

Arnold Krohne; Foto: Anke Reimann

Arnold Krohne zeigte viel Freude an den kraftvollen Bertolt-Brecht-Liedern, die er zusammen mit seinem Pianisten Marian Lux allerdings noch ein wenig "schöner gemacht hat".

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 20.11.2006

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