"In allen Ehren":

Wenn eine Ehe in die Brüche geht

Großartiges und Widersprüchliches: Bühne Bad Harzburg beendet Spielzeit mit dem Drama "In allen Ehren"

Das Scheitern einer langjährigen Ehe - nahezu jeder kennt solche Geschichten: aus eigener Erfahrung oder aus dem eigenen Umfeld. Für die australische Autorin Joanna Murray-Smith war das Thema eine Art Forschungsobjekt, ein Phänomen, dem sie ernsthaft auf den Grund zu kommen versucht. Entstanden ist das Theaterstück "Honor" oder mit deutschem Titel: "In allen Ehren". Am Freitag war es zum Abschluss der Saison auf der "Bühne Bad Harzburg" zu erleben.

Die Aufführung der Gastspielbühne Kempf begann wortlastig, schleppend, steigerte sich jedoch im Verlauf des Abends und wurde vor allem dann wirklich intensiv, wenn Krista Posch als Honor agierte. Ihr natürliches Spiel begeisterte das Bad Harzburger Publikum. Sie benötigte keine großen Gesten, keine Sprechtechnik, um Honors Gefühlswelt lebendig werden zu lassen. Sie verschmolz mit ihrer Rolle und war eindeutig der Liebling dieses Abends.

Sehr technisch und hölzern wirkte dagegen Cornelia Corba als Widersacherin Claudia, die neue junge Geliebte des Ehemanns. Vielleicht war das statische, großteils emotionslose Sprechen ihres Rollentextes eine Idee der Regisseurin Pia Hänggi, vielleicht sollte damit ein Gegensatz zu den brodelnden Gefühlen der Mitspieler geschaffen werden. Doch dieses Konzept funktionierte nicht: Da war zum Beispiel die Szene, in der Claudia kühl analysiert, wie anziehend sie sei, ohne zu bemerken, wie Max Volkert Martens als ehebrüchiger George darüber vor Wollust fast zerbirst. Der Gegensatz könnte komisch sein, aber so kam es beim Publikum nicht an. Da wurde nur aneinander vorbeigespielt. Und dies war symptomatisch für die meisten Claudia-Szenen.

Martens spielte seinen George mit einigem Temperament, was dem aktionsarmen Stück gut tat. Sympathisch war auch Christina Kiesewetter als Sophie, Tochter von Honor und George, die etwas verliert, woran sie ein Leben lang geglaubt hatte: die gegenseitige Liebe ihrer Eltern, die Liebe überhaupt, die die Zeit überdauert und alle Hürden bewältigt. Gibt es das überhaupt?

Die ganze Vorstellung hatte einige gute, komische und auch ergreifende Momente, und ein seltsames Ende: Sophie wünscht sich unverständlicherweise, sie könnte so sein wie Claudia. Claudia wünscht sich, sie könnte so sein wie Honor. George träumt plötzlich nur noch von seinem alten Leben mit Honor. Honor ist die einzige, die ihre Fassung zu diesem Zeitpunkt wiedergewonnen hat, dafür darf sie abschließend sagen: "Es ist zu . . ." - worauf George sie unterbricht mit: "Ich weiß." Da war die Komik aber unfreiwillig.

C. Posch, M. V. Martens; Foto: Anke Reimann

Letzte Zärtlichkeiten: Krista Posch als Honor und Max Volkert Martens als George.

C. Posch, C. Corba; Foto: Anke Reimann

Begegnung der anderen Art: Cornelia Corba als Claudia und Christina Kiesewetter als Sophie.

Fotos und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 27.03.2006

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