"Kleine Eheverbrechen":

Biotop Ehe raffiniert durchleuchtet

Kulturklub präsentiert "Kleine Eheverbrechen" im ausverkauften Kurhaus

Ein genialer Text mit vielen skurrilen Ideen ist das Schauspiel "Kleine Eheverbrechen" von Eric-Emmanuel Schmitt. Raffiniert durchleuchtet es das Biotop Ehe in allen nur denkbaren Facetten, mal amüsant, mal traurig, hinterlistig und zutiefst ehrlich, gespickt mit krimineller Energie und tief empfundener Liebe. Erarbeitet von Regisseur Krystof Zanussi fand es am Freitag Abend seinen Weg auf die Bühne Bad Harzburg.

Der Ehemann, Gilles, hat nach einem Unfall das Gedächtnis verloren. "Sind Sie meine Frau?" "Ja", sagt Lisa. Er löchert sie mit Fragen über sich. Sie antwortet freundlich, doch eine mühsam bezähmte Wut verspannt ihren Körper, dann wieder lächelt sie, und man schmilzt dahin. Eleonore Weisgerber, die Schaupielerin der Lisa, hat ein wunderschönes Lächeln und eine schöne kräftige Stimme. Ihre Lisa ist voller Energie und Klugheit - wie kann sie die Situation nutzen? Hat Gilles tatsächlich sein Gedächtnis verloren, oder trickst er sie aus? Wer führt nun wen an der Nase herum? Ihre Lisa ist eine Frau, die um etwas kämpft, sich aber gar nicht sicher ist, ob sie es nicht lieber doch loswerden möchte. Wie kann sie mit einem Mann leben, der ernsthaft behauptet, das Schicksal jeder Liebe sei der Zerfall?

Peter Bongartz als Gilles hat sichtlich Spaß an diesem Spiel. Er ist der Mann, der eine kaputte Glühbirne nicht sofort auswechselt, da man doch erst einige Tage um das Licht trauern müsse. Er sprüht vor guter Laune, Lisa misstraut ihm. "Wie bin ich gewesen?", fragt er sie, und: "Liebst du mich? Oh, in jeder Sekunde könnte ich ein Detail über mich erfahren, das mich zu einem Schweinehund macht!" Lisa versichert ihm, dass es nichts gibt, dessen er sich schämen müsste, bis sie behauptet, er hätte sie umbringen wollen, weil sie ihn verlassen wollte, deshalb.

Warum? "Ich wollte aufhören zu leiden", sagt sie. Aber Gilles hat sein Gedächtnis gar nicht verloren. Er weiß, dass Lisa ihn von hinten mit einem harten Gegenstand auf den Kopf geschlagen hat. Warum? Weil sie ihn nach 20 Jahren immer noch begehrt. Diese Momente der Wahrheit waren skurril und anrührend. Und dann fällt der Satz: "Vertrauen hat man nicht, Vertrauen schenkt man." Das wäre wohl auch nötig nach all dem Hin und Her, das mit einem guten alten Neuanfang endet.

Die beiden sympathischen Schauspieler verstanden es jedenfalls, die Spannung zu halten, bewegten sich sicher zwischen Komik und Ernsthaftigkeit und bescherten ihrem Publikum im Kurhaus einen sehr erfreulichen Theaterabend.

E. Weisgerber, P. Bongartz; Foto: Anke Reimann

Wer führt wen an der Nase herum? Eleonore Weisgerber und Peter Bongartz als Lisa und Gilles.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 20.02.2006

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