Souvenirs, Souvenirs:

Wenn bei Capri das knallrote Gummiboot fährt

"Souvenirs" von Familie Malente und Co. im Kurhaus - Temporeiche und witzige Zeitreise durch die Schlagerwelt der Fünfziger und Sechziger

Allein die Namen der Protagonisten sind schon Programm: Vico und Peter Malente - das atmet förmlich die gute alte Schlagerseligkeit einer Caterina Valente, eines Vico Torriani oder eines Peter Alexander. Und so gastierte denn Familie Malente, komplettiert durch die Schauspielerinnen Sonia Farke und Susanne Hayo, am Freitag zum Auftakt der Theatersaison 2005/06 mit der Schlagerrevue "Souvenirs" im gut gefüllten Kurhaus.

Dankbarer Stoff

Nachkriegstrümmer und Wirtschaftswunder, Care-Pakete und Italien-Urlaub, Wunder von Bern und Goldener Schuss, Lou van Burg und Oswald Kolle - die musikalische Reise durch die fünfziger und sechziger Jahre basierte auf einem dankbaren Stoff, den jene Jahre mit all ihren Skurrilitäten boten. Die zweieinhalbstündige Show bestach durch Temporeichtum und Witz - eine runde Ensemble-Leistung, die gleichwohl jedem Akteur genug Platz zur eigenen Entfaltung ließ.

Wobei Vico Malente eindeutig die Nase vorn hatte, wenn er in bestrumpften Sandalen Cha-Cha-Cha tanzte, als Winnetou den Lendenschurz lüftete ("Komm in meinen Wigwam, ich zeige dir meinen Lederstrumpf") oder als Frau Antje nasal-niederländisch "Toast Hawaii" servierte. Auf gleichem Niveau lag Susanne Hayo, als sie trotzig einen Cowboy als Mann forderte. Stark auch Sonia Farke als TV-Assistentin mit einem Dutt, der 40 Zentimeter über die Schädelplatte ragte, und einem türkisfarbenen Fummel, der in ähnlicher Entfernung über dem Knie endete. Nur bedingt erotisch, dafür aber umwerfend komisch geriet Peter Malentes Präsentation einer grobrippigen Schießer-Unterhose.

Überhaupt die Produkte von damals. Während die ARD derzeit die Schleichwerbung aus ihren alten Krimis eliminiert, bringt Familie Malente sie massiv und mit hohem Wiedererkennungswert auf die Bühne - Frauengold und Overstolz, Opal-Strümpfe und Nyltest-Hemden, Lux-Seife und Asbach Uralt.

Keinen Raum in der Zeitreise hatte bis auf Kennedys "Ich bin ein Berliner" die Politik - ein folgerichtiger Reflex darauf, dass die Menschen damals mehr mit sich selbst beschäftigt waren und mit dem, was die heile Schlagerwelt ihnen als Inhalte vorgab. Und das vorzugsweise in einer Farbe: Rudi Schurickes rote Sonne, die bei Capri im Meer versinkt, Rene Carols rote Rosen, rote Lippen und roter Wein, Wencke Myhres knallrotes Gummiboot - ein Hit jagte den nächsten. Mal multi-kulti mit zwei kleinen Italienern, mal promillesüchtig mit dem Bier, das es nicht auf Hawaii gibt, mal schwermütig mit dem Schiff, das da kommen wird. Udo Jürgens erfreute sich gleich zweier Parodien, "Merci cherie" von Vico Malente wirkte mimisch wie stimmlich genial, "Siebzehn Jahr, blondes Haar" von Peter Malente eher optisch.

Keine Schlüpfer

Kein Halten mehr im ohnehin stimmungsgeladenen Saal gab es bei Zugaben wie Vico Torrianis "Kalkutta liegt am Ganges" oder Billy Mos "Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut". Schlüpfer landeten dennoch nicht auf der Kurhaus-Bühne. Es wäre auch vergeblich gewesen, Vico Malente hatte zu Beginn angekündigt, dass man solcherlei Fanbezeugungen diskret an die Bürgerinitiative "Hilfe für Tom Jones" weiterleiten würde.

S. Farke, P. Malente, V. Malente und S. Hayo (v. l.); Foto: Heinz-Georg Breuer

Auch nach zweieinhalb Stunden Auftritt im Kurhaus am Freitagabend noch richtig gut drauf: Sonia Farke, Peter Malente, Vico Malente und Susanne Hayo (von links).

Foto und Artikel: Heinz-Georg Breuer, Goslarsche Zeitung von Di., 04.10.2005

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