"Silent Radio":

Musik die schwebt, Musik die die Seele packt

"Silent Radio" begeisterten und berührten 200 Menschen beim "Schlosskonzert" des Kulturklubs

Wenn eine Musik schweben kann, dann diese. Und sie kann schwingen. Hin und her über die Grenzen der Zeit, zwischen einer Vergangenheit, in der Musik noch Musik war und einer Gegenwart, in der es wider Erwarten doch noch so so etwas wie Originalität auf einer Konzertbühne gibt. Knapp 200 Besucher erlebten das Schweben und Schwingen am Wochenende beim "Schlosskonzert" mit dem Braunschweiger Duo "Silent Radio".

Allerdings: "Schweben", "schwingen" . . . Vielleicht ja auch noch "fliegen", "zu Herzen gehen", "die Seele packen", "zum Träumen einladen": Die Musik von "Silent Radio" ist wie geschaffen, die Liste der abgegriffenen Klischees Punkt für Punkt abzuhaken. Aber das wäre am Thema vorbei, zu einfach, zu billig und irgendwie auch ungerecht. Denn mehr als zwei Klischees miteinander verrührt, ergeben bekanntlich als Endprodukt "Kitsch", und das ist das Schlimmste was man "Silent Radio" antun könnte. Und ihren Fans.

Denn auch wenn eine gewisse Affinität zur Romantik das Erlebnis eines solchen Konzertes intensiver werden lässt - in erster Linie geht es hier um verdammt gute Musik. Gut in doppelter Hinsicht. Lars "Louie" Bottmer und Rainer Tacke haben sich nämlich zunächst einmal ein Repertoire zurecht gelegt, das per se schon Geschmack beweist. "Sunglasses", "Save tonight", "Enjoy the silence", "Sweet Dreams", "Rebel Yell", "Wonderwall", "Here comes the rain again" - in den 80er und 90er Jahren war die Musik gar nicht schlecht. Nur leider wird sie oft schlecht gemacht, gerade wenn sich nachfolgende Generationen an den Originalen vergehen, womöglich noch einen eigenen Stil suchen und sich dabei hoffnungslos verirren.

"Silent Radio" verirren sich nicht. Sie haben einen Stil gefunden, mit dem sie die Lieder anders aufbauen ohne dass deren Fundamente bröckeln. Zugegeben, sie wagen einiges: Tacke spielt Geige, die ganze Zeit, zu jedem Stück. Doch genau das ist es, was die alten Töne so neu und doch vertraut klingen lässt. Nicht mit dem zarten Wimmern oder traurigen Jammern, das diesem Instrument gern entlockt wird, wenn es darum geht, etwas Moderneres als Vivaldi zu spielen. Tackes Violine hat Wucht, was nicht nur daran liegt, dass er sich das moderne "elektrifizierte" Modell unters Kinn klemmt. Die zweite Säule des "Silent-Radio"-Stils ist Louie Bottmer. Nicht zwingend wegen seiner Gitarre, die beherrscht er so professionell, wie man es von jemandem erwarten kann, der sich öffentlich auf eine Bühne setzt. Das besondere an ihm ist seine Stimme. Sie ist "charismatisch" - noch eins von vielen Klischees, aber eigentlich steht ja nirgendwo geschrieben, dass man die nicht ab und an doch einmal benutzen darf, wenn es sein muss.

Louie Bottmer und Rainer Tacke (v.r.n.l.); Foto: Holger Schlegel

Lars "Louie" Bottmer (rechts) und Rainer Tacke alias "Silent Radio". Beim Schloskonzert wurden sie unterstützt von Lars Plogschties am Schlagzeug und Jens Müller am Bass.


Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 14.02.2005

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