Florian Schroeder:

Ein Schroeder, der auch Stoiber und Merkel ist

Kabarettist Florian Schroeder überzeugte am Freitag im Schloss mit witzigen und gelungenen Parodien und klugem Humor

Die politische Lage im Land ist nach der Wahl ein wenig . . . sagen wir einmal: ulkig. Links ein Kanzler, rechts eine Kanzlerin dahinter. Daneben und davor Leute, die einen oder keinen von beiden mögen, und dazwischen ein Volk, das laut einer Meinungsumfrage zu 70 Prozent den Wahlausgang scheiße findet, aber im Fall der Fälle genau so wieder wählen würde. Ein gefundenes Fressen für Kabarettisten und einer von ihnen, Florian Schroeder, machte sich am Freitag auf Einladung des Kulturklubs genüsslich darüber her.

Das böse "Rau-Virus"

Schroeder betrat die Bühne des Bündheimer Schlosses als kranker Mann. Ein Virus hatte ihn erwischt: Urplötzlich legt sich seine Stirn in Falten, werden die Augen starr, die Mundwinkel ziehen nach unten. Und dann springt er aus ihm heraus: der Rau. Und nicht nur der. Auch der Schröder (der mit "ö"), die Merkel, der Fischer, der Müntefering, der Schily, und wie sie alle heißen. Nachvollziehbar, dass dieses Virus Schroeder in manchen Situationen zu schaffen macht. Zum Beispiel, wenn er mit einer Frau im Bett liegt, und der Rau plötzlich losbrabbelt, er müsse nun weg, um das Land zu repräsentieren.

Aber den Gästen im Schloss bescherte das Virus einen vergnüglichen Abend. Denn Schroeders Parodien von mehr als einem Dutzend berühmter Menschen aus Politik und Show-Biz hoben sich angenehm ab vom Einheitsbrei à la "ich mache euch den Kohl und den Boris". Denn das ist leicht - Schroeder selbst lieferte den Beweis, in dem er dem Publikum einen Schnellkurs in Parodie gab und nach zehn Sekunden jeder den Altbundeskanzler konnte.

Schroeder ist mit seiner Stimme so in Form, dass es auf den Inhalt manchmal gar nicht ankommt. Denn das, was Stoiber, Merz und Co. von sich gaben, war nicht immer witzig oder feinsinnig, und wenn sie anfingen zu singen, verstand man mitunter gar nichts mehr. Dennoch lachte man sich scheckig, wenn Johannes Rau den armen Peter aus der ersten Reihe angreinte, wenn Angela Merkel mit Augen und Armen flatterte und Joschka Fischer Stimme und Gesicht knautschte.

Zumal Schroeder bewies, dass sein Humor spitz ist und auch ohne Parodie Bestand hat. Große Koalition? Das Gute wäre, Westerwelle bliebe draußen. Und die andren Versicherungsvertreter auch. Angela Merkel? Die Perle der Uckermark. Aber wie sieht erst die Uckermark aus, wenn das die Perle ist?

Sozialpädagogen-Musik

Doch Schroeder tummelte sich nicht nur auf der politischen Kabarettbühne. Papstwahl? Warum nicht mal ein 25-Jähriger? Dann wäre Ruhe im Karton, so, bei einem 78-Jährigen, stehen die Millionen doch schon wieder in den Startlöchern, um nach Rom zu pilgern. Oder Musik: Grönemeyer (auch so eine Paraderolle für jeden Parodisten): Wenn man ihn mal versteht, versteht man ihn nicht. "Telefon, Gas. Elektrik - unbezahlt, das geht auch": Schroeder hat's ausprobiert, "das geht nicht!". Dann doch lieber Joe Cocker mit seinem Sozialpädagogen-Soundtrack. Den versteht man auch nicht. Aber das wenigstens konsequent.

Viele kluge Gags, vor allen Dingen auch mal neue. Zum Teil sogar brandneue, denn Schroeder hatte sein halbes Programm auf die Lage nach der Bundestagswahl umgestellt. Kein Wunder - ist ja ulkig genug.

Florian Schroeder; Foto: Holger Schlegel

Der Kabarettist Florian Schroeder überzeugte mit klugem Witz und einem schier unerschöpflichen "Stimmen-Repertoire".

Artikel und Foto: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 26.09.2005

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