Kai Romhardt:

Kein Stress: Probier's mal mit Gemütlichkeit

Lebensberater Dr. Kai Romhardt stellte auf Einladung des Kulturklubs seine "Slow down your Life" Theorie in der Praxis vor

Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Einatmen und dabei den Sorgen zulächeln. Ausatmen. Einatmen und den Moment vergegenwärtigen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen und feststellen, dass der Moment ein wunderbarer ist. Einatmen. Ausatmen. So: Das war jetzt notwendig. Um erst einmal gemeinsam anzukommen.

Gemeinsam ankommen. Bewusst. Nicht noch mit 80 Prozent da sein, wo man eben war, und von wo aus man sich in die neue Situation hetzte. In das Lesen dieses Berichts zum Beispiel. Oder in einen Abend mit Dr. Kai Romhardt. Eineinhalb Stunden lang erzählte der am Donnerstag dem Publikum von seiner Methode, das Leben besser zu leben.

Das gute alte Leben - gerade in seiner modernen Form scheint es mittlerweile derart kompliziert und anstrengend zu sein, dass althergebrachte Methoden, es in den Griff zu bekommen, offenkundig dringend der Auffrischung und Umbenennung bedürfen. Was früher "Ordnung" und "Organisation" hieß, nennt man heute "Simplify". Und "immer mit der Ruhe", oder "probier"s mal mit Gemütlichkeit" kommt als "Slowing down" daher.

"Slow down your life" rät Kai Romhardt. Die Methoden, die er heraussucht, um das Leben zu "entschleunigen" sind nicht neu, aber auch nicht völlig banal und somit durchaus betrachtenswert. Das anfänglich erwähnte "Ankommen" zum Beispiel: Ist man mit seinen Gedanken noch woanders, wird der Moment oberflächlich. "Achtsam sein" "Innehalten", "sich sammeln" macht den Menschen bewusster. Das muss nicht mit Ein- und Ausatmen passieren, das kann auch das Innehalten sein, wenn das Telefon klingelt. Bis drei zählen, erst dann ran gehen, um sich dem neuen Moment bewusster widmen zu können.

"Minipausen" nennt Romhardt das, sie sind auch sonst sehr nützlich, um "herunterzukommen". Gelegenheit dazu bietet sich oft. Beispielsweise vor einer roten Ampel. Oder das Innenhalten, wenn man zu Fuß unterwegs ist und dabei jeden Schritt bewusst setzt. "Achtsames Gehen" brachte Romhardt seinen - bei aller Offenheit dann doch irgendwie überraschten - Gästen bei.

Sein "Slowing down" stellt Romhardt auf verschiedene Säulen: "Slow down den Körper" klingt komisch, kann aber zum Wohlbefinden beitragen: Den Atem und die Schritte kann man "entschleunigen", aber auch die Ernährung: bewusst kauen, bewusst genießen.

"Slow down den Geist": "Beobachten sie eine Minute lang nur ihre Gedanken und zählen sie sie", riet Romhardt. Siehe da: Im Kopf ist ordentlich was los. Wenn man das registriert, kann man ab und an mal eine Pause einlegen, damit sich der überfüllte Geist wieder leeren kann.

"Entschleunigen" gilt auch für Aktivitäten. Vieles im Leben ist zur Gewohnheit geworden, ein Auto-Pilot lenkt einen durch den Alltag. Auch das ist eine Form von Hetze. "Sind wir noch in der Lage zur Muße?" Nein. In der schnellen Welt und dem gehetzten Alltag kann etwas Banales wie "einen Tag lang nichts tun" zum Stress werden, weil einen der Zwang umtreibt, "irgendetwas machen zu müssen". Nichtstun zu genießen bedarf mittlerweile einiger Übung. Traurig genug . . .

Irgendwo sind es ja doch Binsenweisheiten, denen Kai Romhardt einfach nur einen neuen Anstrich verpasst. Aber wie bei vielen seiner Kollegen aus der Lebensberaterzunft kann allein die Tatsache, es alles einmal wieder in Erinnerung zu bringen, durchaus einen gewissen "stimmt eigentlich"-Effekt haben. Und was soll es: Niemand kommt zu schaden. Zudem kann es auch wirklich sinnvoll sein, hier und da mal innezuhalten, bewusst den Moment zu registrieren, um beispielsweise dann erst zu voll und ganz in eine neue Situation zu wechseln. Also: Einatmen. Ausatmen. Einatmen ...

Foto: Holger Schlegel

Gedanklich innehalten und jeden Schritt bewusst setzten: Dr. Kai Romhardt (Mitte) übte mit seinen Zuhörern das "Achtsame Gehen".

Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Sa., 19.02.2005

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