Heute Abend: Lola Blau:

Ohne gute Pflege leidet auch der allerbeste Stoff . . .

Saisonabschluss der "Bühne Bad Harzburg": "Heute Abend: Lola Blau" überzeugte nicht in den Details

Höhen und Tiefen einer jüdischen Künstlerin in den 30er Jahren: Eigentlich kein Stoff, aus dem man ein unterhaltsames Singspiel schneidert. Es sei denn, man ist Georg Kreisler, dann steht die Gefahr der Verkitschung außen vor. Doch die Aufführung seines Musicals "Heute Abend: Lola Blau", das am Donnerstag die Theatersaison der "Bühne Bad Harzburg" abschloss, setzte die Ansprüche, die man an ein solches Stück anlegen möchte, nicht konsequent genug um.

Die Handlung ist im Grundsatz einfach: Aufstrebende jüdische Künstlerin (Monika Herwig als Lola Blau) realisiert die Tatsache, dass in ihrer Heimat Wien "die neue Fahne draußen hängt" fast zu spät. Sie flieht in die Schweiz, ist dort letztlich aber nicht geduldet, geht nach Amerika, feiert dort sorglos große Erfolge, kommt jedoch der Liebe wegen nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wieder nach Hause und stellt fest: Der große US-Star ist wieder (oder noch immer) die kleine Emigrantin, und sieht sich von Menschen umringt, die - natürlich - "keine Schuld" haben, aber noch immer auf der Straße die "Saujuden" beschimpfen.

Ein Leben zwischen zwei Welten: der düsteren, gruseligen des braunen Europa und der schillernden, überschwänglichen des bunten Amerika. Diesen Kontraste nahm die Inszenierung konsequent auf. Zu konsequent jedoch, so dass es mitunter unwirklicher als nötig, streckenweise sogar hilf- und planlos wirkte. Schuld daran waren nicht die solide agierenden Protagonisten, wenngleich man Monika Herwig anmerkte, dass ihre Stärken sehr in der Gesangshow und weniger im Schauspiel liegen. Das kann in einem Stück, das zum überwiegenden Teil aus Musik (live am Klavier: Christian Auer) besteht, allerdings übersehen werden. Zumal Kreislers Musical stark genug ist, Mankos zu verzeihen. Die Frage ist allerdings, wann ein guter Stoff leidet, wenn er nicht anständig gepflegt wird.

Und bessere Pflege hätte die Inszeniereung, speziell die Ausstattung vertragen. Besonders Szenen in Lola Blaus Heimat Wien rutschten vom Minimalismus regelrecht ins Billige. Natürlich sollte man Zugeständnisse an ein Tourneetheater-Bühnenbild machen, Kulissen und Requisiten müssen mobil sein - aber nicht unbedingt klapperig, so dass man Angst haben muss, die Wände fallen gleich stumpf um. Das erfahrene Harzburger Theaterpublikum hat auch schon Bühnenumbauphasen erlebt, in denen man nicht minutenlang jeden Handgriff genau mitverfolgen konnte. Als die singende Lola Blau irgendwann von einem Bühnenhelfer auf einem rollenden Koffer über die Bühne geschoben wurde, ging die Illusion endgültig flöten.

Drei Beispiele von vielen. Haarspaltereien? Kleinigkeiten? Möglich, aber sie tragen nun einmal maßgeblich zur Atmosphäre eines Stückes bei. Sie ließen das von Kreisler solide gezimmertes Fundament bröckeln. Monika Herwig rettete den Abend zwar immer wieder, besonders in der "Amerika-Phase", als das Stück zur regelrechten Broadway-Spektakel wurde. Nur ging es hier um die Höhen und Tiefen einer jüdischen Künstlerin in den 30er Jahren - und da sollte nicht eine Showrevue das Einzige sein, woran man sich hinterher erinnert.

Monika Herwig; Foto: Holger Schlegel

Monika Herwig überzeugte als "Lola Blau" mit gutem Gesang und Showtalent.

Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 18.04.2005

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