Moritz Freiherr Knigge:

Adel verpflichtet - auch zu Lebensklugheit

Moritz Freiherr Knigge sprach über Regeln des menschlichen Umgangs miteinander im Bündheimer Schloss

Mal angenommen, sie haben einen berühmten Vorfahren. Lange schon tot, direkte Abstammung egal, gleicher Name hilfreich. Wäre es da nicht nahe liegend, den Altvorderen für eigene Zwecke einzuspannen und ein klein wenig zu vermarkten? Genau, wäre es.

Das hat sich auch Moritz Freiherr Knigge gedacht. Auf Einladung des Kulturklubs Bad Harzburg gastierte der 37-jährige Kommunikations- und Unternehmensberater aus Düsseldorf am Samstagabend in Bündheimer Schloss. Rund 80 Zuhörerinnen und Zuhörer interessierten sich dafür, was der blaublütige Betriebswirt zu dem Thema "Spielregeln - Wie wir miteinander umgehen sollten" zu sagen hatte. Er müsste es doch wenigstens wissen. Schließlich ist der gebürtige Hannoveraner ein Nachfahre - na ja, in Wirklichkeit ein weitläufig Verwandter - des berühmten Adolph Freiherr Knigge (1753-1796), der 1788 das oft zitierte, doch selten gelesene Werk "Über den Umgang mit Menschen" veröffentlicht hat.

Knigge - das ist heute ein Synonym für Benimmregeln, Etikette-Schulen und boomende Ratgeberliteratur auf dem gelegentlich glatten Parkett zwischenmenschlicher Umgangsformen. Hier hakte Knigge, der Nachfahr, ein. Er verfügt über Erfahrungen in der Unternehmensberatung, speziell in der Umsetzung von "Leitbildern". "Vertrauen, Respekt füreinander - auf dem Papier klingt das wunderbar, doch oft funktioniert es nicht so recht", tat Moritz Knigge gleich zu Anfang seinen Eindruck kund. Er diagnostizierte allgemein einen Werteverfall und übte hie und da Kulturkritik, analytische Schärfe erreichten seine Gedanken hingegen kaum. Das war aber vom Ahnen-Marketing auch nicht zu erwarten. Was wunder, dass er häufig genug Antworten schuldig blieb: "Ich weiß es auch nicht." Dass es in hierarchisch strukturierten Unternehmen auch um Macht, Geld und unterschiedliche Interessen geht, davon hörte das Publikum kaum ein Wort.

Im Kern jedoch war es Knigges Anliegen, die Lehren seines Ahnherren für die heutige Zeit nutzbar zu machen. Dem ging es entgegen der landläufigen Meinung nämlich nicht darum, wie man richtig einen Hummer zerlegt oder bei Tisch die Gabel handhabt. "Das sind äußere Kleinigkeiten, Konventionen, die nicht zum Selbstzweck werden dürfen", so Knigge. Beeinflusst vom Gedankengut der Aufklärung standen für Adolph Knigge Lebensklugheit, Souveränität, Verantwortungsbewusstsein, maßvolles Auftreten und Höflichkeit im Vordergrund. Das in etwa, was im Vokabular der heutigen "Plastikwörter" mit Sozialkompetenz oder "soft skills" umschrieben wird, im Grunde aber nur das meint, was den Aufklärern in ihrem Idealismus als universale Menschenbildung vorschwebte.

Manche Plattitüden blieben dem Publikum nicht erspart. Wer sich Spielregeln an die Hand erhofft hatte, kam zum Abschluss doch noch auf seine Kosten. Hier zählte Knigge acht Grundsätze der Höflichkeit auf, die er in seinem mit zwei Co-Autoren verfassten Buch näher beschreibt. Aufmerksamkeit, Respekt, Gefälligkeit und Gelassenheit spielen dabei eine zentrale Rolle. "Wie kultiviert eine Persönlichkeit ist, erkennen sie nicht daran, wie sie beim Essen das Glas hält. Sondern daran, wie sie mit dem Servicepersonal umgeht", unterstrich Knigge pointiert. Schade nur, dass der Großteil des distinguierten Publikums diese Spielregeln ohnehin beherrschen dürfte. Die vielen andren, tja - die waren am Samstagabend anderswo.

Moritz Fr. Knigge; Foto: Albrecht Weisker

Zu den Regeln des menschlichen Umgangs miteinander gehörte für Moritz Freiherr Knigge auch ein freundlicher Plausch mit dem Publikum im Rahmen einer Signierstunde.

Artikel und Foto: Albrecht Weisker, Goslarsche Zeitung von Mo., 14.11.2005

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