Die Katze auf dem heißen Blechdach:

Vom Suchen und Finden der vermeintlichen Wahrheit

Lebenstheater auf der Bühne Bad Harzburg: Tennessee Williams "Katze auf dem heißen Blechdach" bescherte einen langen Abend im Kurhaus

Amerika, Südstaaten, zu Beginn der 50er Jahre: Der Millionär und Plantagenbesitzer "Big Daddy" feiert seinen 70. Geburtstag. Ein Familienfest ist geplant im Herrenhaus am Mississippi. Der Patriarch hat allen Grund zu jubeln. Nimmt er doch an, die Ärzte hätten ihm nach zahlreichen Untersuchungen seine Gesundheit bescheinigt. Es ist eine Lüge. Sein Körper ist vom Krebs fast zerfressen. Es wird sein letzter Geburtstag sein. Alle wissen es, nur Big Daddy nicht.

Ein dichtes Geflecht aus Lügen, Heuchelei, Liebe, Hass, Verrat und Betrug bescherte den Gästen der Bühne Bad Harzburg am Freitag im Kurhaus einen langen Theaterabend mit nicht gerade leicht verdaulicher moralischer Kost. "Die Katze auf dem heißen Blechdach" von Tennessee Williams gehört zu den Klassikern der modernen Theaterliteratur und wurde durch die Hollywood-Verfilmung mit Elisabeth Taylor und Paul Newman einem breiten Publikum bekannt.

Was macht eine Katze auf einem heißen Blechdach? "Sie hält so lange wie möglich durch", sagt Maggie (Verena Wengler), die sich selbst in dieser Rolle sieht und den Kampf mit dem heißen Blechdach längst aufgenommen hat. Maggie kämpft um ihre Liebe zu Brick, dem jüngeren Lieblingssohn von Big Daddy und Big Mama. Brick (stark gespielt: Siemen Rühaak), der ehemalige Football-Star säuft sich geradewegs um den Verstand, weil er den Lebenslügen entkommen und vergessen will, "dass man an nichts mehr glauben kann" und die Zeit einen hinter sich gelassen hat. Er hat sich ausgeklinkt, auch aus seinem Leben mit Maggie.

Brick und Maggie sind ebenso zum Geburtstagsfest angereist wie sein Bruder Gooper (Klaus Joachim Zey) und dessen Frau Mae (Senta Auth) mit ihren fünf Kindern. Im Wissen um die nahende und bisher ungeklärte Erbfrage für die 28 000 Morgen große Baumwollplantage eskaliert der Familienkrach, bei dem es um mehr geht als um Habsucht und die Lebenslügen des einzelnen: Lebensansichten prallen aufeinander, Eltern und Söhne reiben sich aneinander auf - ein quälender Prozess für alle Beteiligten und über allem schwebt die Frage "Wer kann der Wahrheit schon ins Gesicht sehen?". Die emotionale und aufgeladene Selbstspiegelung der Figuren wirkte vor allem im ersten Drittel des Stücks recht anstrengend, der unerbittliche Kampf der Katze auf dem heißen Blechdach geriet bisweilen zu energisch. All die feinen Nuancen im Konflikt zwischen Brick und Maggie wurden dem Publikum in ganzer Länge dargeboten. Dabei hätte Regisseur Celino Bleiweiss ruhig auf eine gute Auffassungsgabe seiner Zuschauer vertrauen können.

Zwei Akte lang also türmen sich die Lügen und Gegenlügen über den Familienmitgliedern auf. Sogar Big Daddy sagt Big Mama (Helga Fellerer) die Meinung, demütigt sie im Glauben an seinen gesundheitlichen Triumph. Alles, was bisher niemand auszusprechen wagte, kommt auf den Tisch und das wacklige Gerüst des familiären Zusammenlebens muss unausweichlich zerbrechen.

Danach beschleunigen sich die Dinge. Der Leibarzt (Christian Claaszen) kommt herbei, er soll Big Mama die schlechte Nachricht verkünden. Um die Wahrheit für Big Daddy erträglicher zu machen, muss zum Schluss wieder eine Lüge herhalten: Maggie und Brick bekommen ein Kind. Das stimmt nicht. Doch Maggie setzt nun alles daran, die Lüge wahr zu machen. Ein irgendwie unwahres Happy-End.

Foto: Berit Seeger

Als "Katze auf dem heißen Blechdach" sieht sich Maggie (Verena Wengler, r.). Sie und ihr Mann Brick (Siemen Rühaak,2.v.l.) wissen ebenso wie der Arzt (Christian Claaszen,l.) und Bricks Bruder Gooper (Klaus-Joachim Zey, 3.v.l.) und dessen Frau Mae (Senta Auth, 3.v.r.) längst, dass Big Daddy (Alexander May,vorn) todkrank ist. Auch Big Mama (Helga Fellerer) weiß es bald und muss dem Patriarchen die Wahrheit mit einer Lüge verkaufen.

Foto und Artikel: Berit Seeger, Goslarsche Zeitung von Mo., 07.02.2005

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