XVII. Jazz im Schloss:

Die klassischen Rezepte der Altmeister mit Jazz verfeinert

Das "Dr. Jazz Trio" begeisterte auch in diesem Jahr die Besucher mit "Jazz meets Classic" im ausverkauften Schloss

Warum bloß strömen die Leute wie die Verrückten ins Schloss, wenn dort Dr. Wolfgang Schömbs und seine Freunde aus Einladung des Kulturklubs Klassik in Jazz umformen? Weil Jazz die emotionale, rechte Gehirnhälfte anspricht, Klassik hingegen die linke, rationale und damit alles bedient sein dürfte? Oder kommen sie vielleicht, weil "Jazz meets Classic" ein "Harzburger Event" ist, und man einfach dabei sein muss? Aber interessiert eigentlich das "Warum"? Wenn die Hütte voll ist? Und die Stimmung gut? Nein, nicht wirklich.

"Appassionata", Leidenschaft, hatte Schömbs seine 17. Auflage von "Jazz im Schloss" betitelt. Eigentlich hätte er das aber schon die ganzen Jahre machen können. Denn wenn eins die "Jazz meets Classic"-Events des "Dr. Jazz" trägt, dann ist es die Leidenschaft, mit der Schömbs die Klassiker bearbeitet.

In frühen Jahren musste man ihm dabei gelegentlich unterstellen, an seinem Flügel ein wenig abzuheben, übers Ziel hinaus zu schießen und seine Mitmusiker an Bass und Schlagzeug regelrecht an die Wand zu spielen. Vegessen und vergeben, denn das ist Schnee von gestern: Am Sonnabendabend erlebten über 300 Besucher ein perfekt harmonisierendes Trio. Matthias Weise am Bass und Uwe Schmidt am Schlagzeug sind dem Enthusiasten an den Tasten längst ebenbürtig, und der hat mittlerweile auch gemerkt, dass er nicht der Einzige auf der Bühne ist.

Und so saßen nun am Sonnabend drei gute Freunde mit ihren Instrumenten zusammen und zauberten an Musik herum, die ohnehin schon magisch ist. Beethoven, Bach, Mozart - oder wie Schömbs sie nennt, "meine Freunde Ludwig, Johann Sebastian und Amadeus". Mit Gefühl, vielleicht sogar Instinkt hatte Schömbs als Komponist die Rezepte der Altmeister genommen, um sie mit Jazz zu verfeinert. Aus Schwung machte er Swing (Bachs "Italienisches Konzert"), aus einem Choral (in Beethovens "Appassionata") einen Blues, und Mozarts "Elvira Madigan" ließ er zum Herzerweichen schweben.

Die Originale? Ja, man erkannte sie wieder. Aber nur kurz. Schömbs, Weise und Schmidt legten das ursprüngliche Notenblatt immer schnell an die Seite. Das war nicht mehr nur Improvisieren oder Andersspielen klassischer Ohrwürmer. Hier wurde Neues kredenzt. Nicht umsonst hatte Schömbs im Programm hinter jeden Titel seinen Namen zu dem der Altmeister gesetzt. Sah ein wenig vermessen aus, ging aber in Ordnung.

Zweieinhalb Stunden saßen die Besucher fasziniert im Schloss und konnten sich ergötzen: An Schömbs. Aber auch an Matthias Weise, der den groben Bass spielen kann, wie eine zarte Konzertgitarre. Und an Uwe Schmidt, der am Schlagzeug bewies, dass Beethoven und Co. nicht mit Trommelstöcken totgeschlagen werden müssen. Jubel und Zwischenapplaus feuerten das "Dr. Jazz Trio" an, hoben das Selbstbewusstsein, dass man als Musiker ohnehin braucht, wenn man den ganz großen Kompositionen an die Seele fasst. Den Besucher übrigens auch. Denn wen interessieren schon rechte und linke Gehirnhälfte wenn man einfach nur das Gefühl bekommt, ein richtig schönes Konzert erlebt zu haben?

Wolfgang Schömbs; Foto: Holger Schlegel

Enthusiastisch am Bösendorfer-Flügel: Dr. "Jazz" Wolfgang Schömbs.

Uwe Schmidt; Foto: Holger Schlegel

Genie an den Trommelstöcken: Uwe Schmidt.

Matthias Weise; Foto: Holger Schlegel

Flinke Finger am Bass: Matthias Weise.

Artikel und Fotos: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Di., 01.11.2005

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