"Sagen und Singen im Harz":

Musik und Geschichten zwischen Tradition und Fantasie

240 Besucher erlebten im Schloss die dritte Auflage von "Sagen und Singen im Harz " mit den "Themenbruedern" und Horst Woick

Einige werden demnächst auf den Burgberg gehen und ihn mit anderen Augen sehen. Sie werden suchen, wo die Kinder geopfert wurden, wo die Wildsau den Jäger tötete, sie werden in den Brunnen schauen und sich fragen: Liegt sie nun dort - die Krone? Und dabei werden sie vielleicht eine Melodie summen. "Köhlerliesel" eventuell, womöglich "Harzgebirgler" oder "Zehn Dosen Bier". Anderen, die sich über solch Verhalten wundern (müssen), sei gesagt: Diese Menschen dürften zu den rund 240 Besucher von "Sagen und Singen im Harz" gehören, dem urigen Abend mit Geschichtenerzähler Horst Woick und den "Harzbuerger Themenbruedern". Ein Abend, der in diesem Jahr ganz und gar dem Burgberg galt.

Zum dritten Mal hatte der Kulturklub die "Themenbrueder" (Horst Mätzig, Markus Matuschke und Thomas Pietscher) zusammen mit dem ehemaligen Kurdirektor auf die Bühne gestellt. Erneut wollten viele Besucher erleben, was dabei herauskommt, wenn man Musik mit Witz und Geschichte mit Fantasie mixt.

Und weil er nun einmal dort regelrecht Zuhause ist, hatte Woick als Oberthema den Burgberg ausgesucht, um den sich mehr Legenden und Sagen ranken, als der normale Harzer bisher angenommen hatte. Wer weiß schon, dass einem zur Mitternacht in der Kaiserhöhle am Fuße des Brunnens ein Gespenst begegnet? Diese "Weiße Frau" lädt an die Tafel des Kaisers ein, an der man dann bis zum St. Nimmerleinstag sitzt. Viele Geschichten mit solcher Gruselgarantie hatte Woick mitgebracht. "Evergreens", wie die Opferung der Erstgeborenen im Krodoaltar und natürlich die Geschichte von der Flucht durch den Brunnen. Aber er erzählte eben auch viel Neues, beziehungsweise Sagen und Mythen, die nicht zum Allgemeinwissen gehören. Die Geschichte vom Jäger Hackelberg ist so eine Story, der Mann starb durch einen toten Keiler und jagt nun in der Ewigkeit. Oder die Sage von den Kindern, die man in der Burg einmauerte, um deren Standhaftigkeit zu sicher.

Was stimmte, wo begann der Unfug? Woick ließ es offen, aber wer ihn kennt, der weiß, dass zumindest die geschichtlichen Fundamente solide sind. Außerdem wollten die Besucher der dritten "Sagen und Singen"-Auflage auch eine Prise Unfug haben. Der Ex-Kurdirektor wurde phasenweise gefeiert, wie ein Popstar. Dabei hatten diesen Part eigentlich die "Themenbrueder" zu besetzen - was ihnen auch gelang. Wie Woick mit Geschichte, verfahren sie mit Musik: Man nehme etwas Vorhandenes, Altes und Bekanntes (gern aus dem Harz) und interpretiere so lange daran herum, bis etwas Anderes, Eigenes und Originelles herauskommt. Neben ihren gern gehörten Standards hatten die "Volksmusik-Anarchos" auch neue Lieder dabei: Rockende Brockenhexen zum Beispiel.

Zweieinhalb Stunden nahm das ungleiche Quartett seine Gäste mit auf eine Wanderung über den Burgberg und durch die Jahrhunderte - wobei es zunächst ein wenig dauerte, ehe sie und ihre Zuschauer warmgelaufen waren. Aber spätestens im zweiten Teil war man im richtigen Tritt, zumal die Pause auch eine willkommene Gelegenheit bot, sich der Waldgaststättenatmophäre, in die die Molkenhaus-Wirtsleute das Schloss tauchten, zu widmen.

Am Ende wird manch Gast einen richtigen Burgbergbesuch ganz fest eingeplant haben. Vielleicht um ein wenig "Köhlerliesel" zu singen. Aber in erster Linie um zu schauen, ob das, was Woick erzählte, stimmt. Oder ob seine Fantasie mit ihm zu oft durchgegangen ist. Aber selbst wenn . . .

Harzbuerger Themenbrueder; Foto: Holger Schlegel

Urige Musik im urigen Ambiente: Die "Themenbrueder" Thomas Pietscher, Horst Mätzig und Markus Matuschke (von rechts).

Horst Woick; Foto: Holger Schlegel

Nicht nur ein guter Geschichtenerzähler: Horst Woick bewies auch Schauspielertalent.

Fotos und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 24.01.2005

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