Fuggiss & Seers:

Bravo-Rufe für Fuggiss' "Lucia"

Historisches Ambiente: Mittelalterliche Romantik und schaurig-schöne Balladen im Bündheimer Schloss

Das Ambiente hätte besser nicht gewählt sein können. Zwar ist das Bündheimer Schloss selbst noch vergleichsweise "jung", doch steht der Name Harzburg für ein historisches Gemäuer hoch über der Stadt aus einer Zeit "Von Burgen, Rittern und Edelfrauen". Auf Einladung des Kulturklubs präsentierten die Sopranistin Carmen Fuggiss und ihr Ehemann Jonathan Seers (Klavier) am Freitagabend hier ihr gleichnamiges Programm mit mittelalterlicher Romantik und schaurig-schönen Balladen. Da wurde in musikalischer Form nach Herzenslust geliebt, gehasst, gekämpft und gemeuchelt.

Ein Repertoire, dass Carmen Fuggiss geradezu auf den Leib geschneidert war. Zart, einfühlsam, lyrisch und melancholisch, frisch und jugendlich keck, drängend und kämpferisch - die sympathische Sopranistin überzeugte mit einer pointierten Gestik und Mimik und schlüpfte scheinbar spielerisch leicht in die verschiedenen Charaktere.

Das Duo offerierte seinen mittelalterlichen Liederabend zum zweiten Mal, der vor einen Jahr in Quedlinburg Premiere hatte. Carmen Fuggiss begeisterte mit einer wunderschönen, warmen Stimme und einer großen Ausstrahlung. In dem Engländer Jonathan Seers, Pianist, Dirigent, Komponist und Arrangeur hatte die Solistin der Staatsoper Hannover einen kongenialen Partner, der nicht nur musikalisch zu überzeugen wusste, sondern auch locker, informativ und humorvoll durch den Abend führte.

Die drei Balladen "Heinrich der Vogler", "Tom der Reimer" und "Hochzeitslied" von Carl Loewe, dem "Meister der Balladen", bildeten den Anfang des Konzerts, gefolgt von drei Liedern von Robert Schumann, der Ballade op. 56 Nr. 1, "Auf einer Burg" und dem "Waldgespräch". Mit "Es war ein König in Thule" von Franz Liszt, "Feinsliebchen" von Johannes Brahms, der bekannten "Lorelei" in der Vertonung von Clara Schumann sowie drei Liedern von Franz Schubert ("Die junge Nonne", "Ave Maria" und "Erlkönig") verabschiedeten sich Carmen Fuggiss und Jonathan Seers in die Pause.

Das Glanzlicht des Abends setzte Carmen Fuggiss im zweiten Teil des Programms mit der Arie der Lucia aus Gaetano Donizettis Oper "Lucia di Lammermoor". Die Sopranistin beherrschte die Partie meisterhaft, brillierte auch in den schwierigsten Koloraturen und verzauberte das Publikum mit ihrer ausdrucksvollen Darbietung, das die Sängerin mit Bravo-Rufen und lang anhaltendem Beifall feierte. Überzeugend auch Carmen Fuggiss' anschließende Interpretation der Arie der Elisabeth "Dich, teure Halle" aus dem "Tannhäuser" von Richard Wagner.

Eingebettet waren die beiden Opern-Arien in zwei Melodramen von Richard Strauß ("Das Schloss am Meere") und Robert Schumann ("Schöne Hedwig") zu Beginn sowie drei Liedern der leichten Muse, mit denen das Duo einen ebenso beschwingten wie leicht ironischen Schlusspunkt setzten. Nach Paul Linckes "Schlösser, die im Monde liegen" aus "Frau Luna" und Noel Cowards "The stately homes of England" über die teure Unterhaltung von Burgen und Schlössern, durfte natürlich auch die bajuwarische Mär von den "oiden Rittersleit'" nicht fehlen.

Nach der Zugabe "Die alte Burg" von Modest Mussorgskij, einem Klavierstück, dem Carmen Fuggiss eine menschliche Stimme verlieh, verabschiedete das Publikum die beiden Künstler mit herzlichem Applaus von der Bühne. Es war der Dank für einen gelungenen Konzertabend, der mehr als nur rund 50 Besucher verdient gehabt hätte.

J. Seers & C. Fuggiss; Foto: Egon Knof

Die Sopranistin Carmen Fuggiss und ihr Ehemann Jonathan Seers begeisterten im Bündheimer Schloss mit dem Programm "Von Burgen, Rittern und Edelfrauen".

Foto und Artikel: Egon Knof, Goslarsche Zeitung von Mo., 23.05.2005

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