Erdbeeren im Januar:

Im Beziehungschaos verstrickt

Hardy Krüger Junior bescherte der Bühne Bad Harzburg ein ausverkauftes Kurhaus

Wie der Vater so der Sohn: Das Publikum erlag dem Charme des Hardy Krüger, bevor sich der Vorhang überhaupt geöffnet hatte. Obwohl es sich "nur" um den Junior handelt. Die treuen Theaterbesucher kannten ihn bereits ("Schmetterlinge sind frei") und so war es wenig verwunderlich, dass die Vorstellung "Erdbeeren im Januar" am Montag im Kurhaus ausverkauft war. Gäbe es eine Empore, sie wäre ebenso gefüllt gewesen.

Faktisch passiert relativ wenig in der noch recht jungen romantischen Komödie von Evelyne de la Chenelière. Zwei Männer (Francois und Robert) und zwei Frauen (Sophie und Lea) wissen beziehungstechnisch nicht so recht, was sie voneinander wollen. Sie verlieben sich, sie entlieben sich. Es scheint, sobald die Paare die rosarote Brille abgesetzt haben, wird ihnen die Beziehung mit all den Erwartungen und Bedürfnissen zu kompliziert.

Hardy Krüger jun. erfüllte sicherlich die Erwartungen des Publikums, das allein von seinem "herzallerliebsten Porträt im Programmheft" (so eine Zuschauerin) verzückt war. Der smarte Schauspieler verkörperte den Drehbuchautor Francois mit ausdrucksreicher Mimik, indem er etwa ein schelmisches Lächeln aufsetzte oder skeptisch eine Augenbraue hochzog. Damit füllte er die Rolle mit einem persönlichen Ausdruck.

Seine Bühnenpartnerin Stephanie Kellner griff hingegen wahlloser in die Gestenschublade: Ihre Sophie wirkte manchmal etwas klamottig, wenn sie x-beinig Verlegenheit demonstrieren wollte und ungehalten in das Taschentuch prustete. Da schien es, als ob sie gerade nach dem Drehbuch von Francois, ihrem Freund, spielt.

Rainer Guldener spielte den Intellektuellen Robert unaufdringlich, benötigte kaum Posen. Anfangs war er am Geschehen der romantischen Komödie wenig beteiligt, als Cafégast ließ er sich das Beziehungsknäuel zwischen Sophie und Francois von ihm in Rückblenden nacherzählen. Irgendwann hatte er sich selbst darin verstrickt. Darstellerisch mussten Guldener wie auch seine Kollegin Jenny Bischoff als Lea rollenbedingt hinter Krüger und Kellner zurückstecken. Sicher könnten die beiden wandlungsfähiger spielen.

Jenny Bischoff als Lea blieb eigentlich nur, Monologe zu gestalten. Nur mündlich formulierte sie Briefe an ihre alte Freundin Sophie, deren Adresse sie allerdings nicht kannte. So erfuhr nur das Publikum etwas aus dem Seelenleben des Landeis, das sich zur Geschäftsfrau in der Großstadt mausert.

Um ein wenig Pep in das handlungsarme Stück zu bringen, bediente sich Regisseur Michael Rossié der harten Schnitt-Technik wie beim Film. Nach jeder Sequenz sang die junge Céline Dion französische Chansons, um ein bisschen Flair zu vermitteln. Selbst die Geräusche der Kaffeemaschine kamen vom Band.

Das grau-orange gehaltene Bühnenbild (Claudia Weinhart) spiegelte die Modernität der Beziehungsgeschichte wider: Flexibel je nach Situation schoben die Schauspieler die gewölbten Wände hin und her und richteten die nächste Szene vor den Augen des Publikums ein.

"Erdbeeren im Januar" brachte keine tief schürfenden Erkenntnisse von Belang, eher einen konstruierten Einblick in ein Beziehungschaos von heute. Aber mehr als leichte Kost wollte das Stück ja auch nicht sein.

H. Krüger jun., S. Kellner, R. Guldener und J. Bischoff (v.l.n.r.); Foto: Julia Brünner

Beziehungschaos mit Happy End: Hardy Krüger jun., Stephanie Kellner, Rainer Guldener und Jenny Bischoff (von links) beim Finale. Und wie es sich für echte Bräute gehört, schmissen sie die Sträuße ins Publikum.

Foto und Artikel: Julia Brünner, Goslarsche Zeitung von Mi., 19.01.2005

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