"Miss Daisy und ihr Chauffeur":

In Würde altern - ein schweres Stück für Daisy

Alfred Uhrys Tragikomödie "Miss Daisy und ihr Chauffeur" auf der "Bühne Bad Harzburg"

"Wenn's um ihren Lack geht, versteht Miss Daisy keinen Spaß" - Hoke Colburn weiß, was er sagt, denn er kommt mit der starrköpfigen Lady Daisy aus , obwohl er schwarz ist und arm und sie eine reiche Jüdin, die ihn auf gar keinen Fall in ihrem Haus dulden möchte. Aber sie wird alt und braucht Hilfe.

Großes Interesse fand das Gastspiel des Kleinen Theaters Bad Godesberg mit Alfred Uhrys Tragikkomödie "Miss Daisy und ihr Chauffeur" auf der "Bühne Bad Harzburg". Die Zuschauerreihen waren voll besetzt. Das Publikum folgte mit großer Aufmerksamkeit der Geschichte über das Altwerden und das Aufeinanderangewiesensein. Dies war der Hauptschwerpunkt der Inszenierung von Regisseur Paul Bäcker. Der Aspekt des Antirassismus wurde weniger betont, vielmehr ging es um persönliche Gefühle.

Dagmar von Kurmin spielte Miss Daisy als eine alte Dame, die um ihr Recht und ihre Fähigkeit auf Selbstbestimmung fürchtet. Weniger die Vorstellung, dass ein Schwarzer ihr zur Hand gehen soll, als der Verlust an Würde bestimmen ihre anfängliche ablehnende Haltung gegen Hoke. Ihr Sohn Boolie, gespielt von Hans-Gerd Kilbinger, "kauft" ihr einen Chauffeur, er ist nett zu Mama, charmant und liebevoll, aber nicht wirklich eine Hilfe und auch kein Freund, denn er hört nicht, was sie sagt. Hoke Colburn, der Afroamerikaner, der Chauffeur, den Boolie bezahlt - er braucht den Job und das Geld, denn er hat Enkelkinder und keine Bildung. Charles M. Huber verleiht seiner Figur eine Langsamkeit, die zwischen Ironie und Einfalt schwankt, so dass es schwer ist, einen Zugang zu Hokes Denkweise zu finden. Ist er Miss Daisys Freund? Besucht der gealterte Hoke die noch viel ältere Miss Daisy am Ende im Altenheim, weil der Sohn ihn immer noch bezahlt? Oder bekommt er eine Art Rente als ein Familienfreund? Die Frage der Freundschaft lässt die Inszenierung leider offen. Ja, Miss Daisy braucht ihren Hoke, denn als er sie einmal kurz im Auto allein lässt, bricht die starre Abwehr-Fassade zusammen. Doch muss die Musik zu Hilfe kommen, um diesen Moment wirklich anrührend zu gestalten: "Sometimes I feel like a motherless child" gospelt es aus den Lautsprechern vor der Bühne. Dass Daisy Hoke das Lesen beibringt, dass die beiden sich von diesem Moment an näher kommen, gleitet beinahe unbemerkt vorüber im langsamen Fluss der Inszenierung, der sich Hokes Sprechweise angepasst hat. "Wir fahren so langsam, dass wir zu Fuß fast schneller wären", sagt Hoke. "Was in meinem Auto passiert, bestimme immer noch ich", antwortet Miss Daisy.

Momente, in denen es mal um eine Seelachsdose, grässlichen Weihnachtsgesang der Verwandtschaft, um Hokes Bauernschläue und das Bühnenauto aus Pappe ging, sorgten für Heiterkeit beim Publikum. Bühnenbild (Charles Copenhaver) und Kostüme (Kara Schutte) gefielen - das Stück kam gut an in Bad Harzburg.

H.-G. Kilbinger, D. von Kurmin, C. M. Huber (v. l.); Foto: Anke Reimann

Im Schritttempo unterwegs: Hans-Gerd Kilbinger als Boolie (links), Dagmar von Kurmin als Daisy und Charles M. Huber als Hoke..

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Fr., 14.10.2005

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