Pierre Brice:

"Winnetou ist mir zum Leitbild geworden"

Pierre Brice las im Schloss aus seiner Autobiographie

"Mehr als 74 Jahre schreibe ich auf. Ich habe soviel zu erzählen" - Pierre Brice war am Freitagabend zu Gast im Bündheimer Schloss, um seine Autobiographie "Winnetou und ich" vorzustellen. Die Atmosphäre dieses Abends war geprägt von der Sympathie und der großen Verehrung, die das Publikum diesem Mann entgegenbrachte. Mit stehendem Applaus wurde er empfangen, denn jeder im Saal verband diese Begegnung mit ganz persönlichen Erinnerungen. Eine Legende präsentierte sich zum Greifen nahe.

"Da sitzt er.", "Das ist er wirklich!" Ehrfürchtig lauschte das Auditorium. Pierre Brice las deutsch mit starkem französischen Akzent. An seiner Seite saß Thomas Claaßen, der Moderator des Abends. Er stellte Fragen an Pierre Brice, verlieh der Lesung dadurch immer wieder auch einen gelösteren Plauderton.

Brice begann die Lesung mit Erinnerungen an seine Kindheit, wie er zehnjährig den Ausbruch des zweiten Weltkrieges miterleben musste, wie er 14jährig beschloss "irgend etwas Großes zu leisten", Bote für die Résistance wurde, sich in Lebensgefahr brachte.

Nach dem Krieg war er sechs Jahre lang Soldat in Indochina. "Vorbei war die Angst, als Gefangener unter der Folter zu jammern, ... der Hunger, die Gefahren des Dschungels...", schrieb er über seine Rückkehr.

Pierre Brice zog nach Paris und wurde dort für das Theater entdeckt. Seine Karriere als Schauspieler begann. Nun wurde der Ton der Lesung leichter, fröhlicher. Es ging um vertraute Themen: Es ging um Winnetou ... und natürlich auch um Old Shatterhand, die Freundschaft, die Pierre Brice mit Lex Barker verband.

"Ich habe Winnetou viel zu verdanken. Winnetous Eigenschaften sind mir zu Leitbildern geworden. Ich wollte meine Popularität nutzen, um Menschen zu helfen." Pierre Brice erzählte von seinem Engagement für UNICEF. Am allerstolzesten in seinem Leben sei er auf den Pierre-Brice-Hilfskonvoi nach Bosnien. Er war einer der ersten, die den Kindern im Krisengebiet Hilfe brachten. "Ich bin bereit, den Rest meines Lebens den Kindern zu widmen." Sein Buch ende mit den Worten: Liebe und Respekt - "kein Elend, kein Hass, keine Kriege - sondern Liebe, Respekt und Zärtlichkeit". So sprach Winnetou. Das Publikum erhob sich wiederum, stehend zu applaudieren. Es gibt eben doch nur diesen einen. Nahezu jeder im Raum wünschte sich ein Autogramm von ihm, Erinnerungsalben wurden vorgelegt, Großformatige Winnetou-Fotografien, Karl-May-Bücher in Sütterlinschrift, Bad Segeberger Programmhefte und dergleichen mehr - eben alles, nur das Buch "Winnetou und ich" nicht, denn der Lübbe-Verlag hatte den Versandauftrag nach Bad Harzburg verschwitzt. Doch bestellte Bücher werden nachgeliefert, versandkostenfrei und signiert von Pierre Brice, der viel mehr ist als nur Winnetou.

Pierre Brice; Foto: Anke Reimann

Geduldig gibt Pierre Brice seinen Verehrern Autogramme und hört sich die Geschichten an, die ihm erzählt werden.

Artikel und Foto: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 07.11.2005

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