"Lieben Sie Brahms?":

Die vergebliche Suche nach dem Glück

Bühne Bad Harzburg präsentierte das Schauspiel "Lieben Sie Brahms?" im Kurhaus

Sie tanzen. Roger und Paule im Ballsaal der Gewohnheit. Sie werfen sich Wahrheiten an den Kopf und lachen darüber. Er: "Manchmal tust du alles, um mich zu deprimieren, aber ich liebe dich trotzdem." Sie über ihn: "Er ist meine ewige Affäre" Und wieder lacht sie.

Aber das ist alles nur Theater. Auf der Bühne des Kurhauses gab am Donnerstag Abend das Theater im Rathaus Essen ein Gastspiel. "Lieben Sie Brahms" mit Renan Demirkan in der Hauptrolle einer Paule, die so viel lacht, mag es sie auch noch so viel Anstrengung kosten. Dieses Lachen trägt sie wie ihr Kostüm. Nur selten klingt daraus Fröhlichkeit.

Es wurde häufig laut sinniert an diesem Abend. Über den Lauf der Zeit, über die Liebe, das Alter, die Vergangenheit, den Sinn des Ganzen. "Kennen Sie die einsame Stille zwischen nie zerwühlten Bettlaken?", fragt Paule ins Publikum hinein.

Die so schwermütig vermisste Lebenskraft tritt in Gestalt des jungen Simon in ihr Leben. Er verehrt Paule, er liebt sie, er will sie haben, da gibt es gar keine Frage. Jan Kaufmann spielt den jungen Kerl eher kindlich als männlich, er albert herum, er ist niedlich. Paule nennt ihn Kindskopf. Rogers Affären verletzen sie stärker als sie sich bisher eingestehen wollte, so folgt sie der Einladung des Kindskopfs zu einem Brahmskonzert: "Lieben Sie Brahms?", fragt Simon sie. "Ich weiß es nicht", antwortet sie. "Ich habe es vergessen." Doch Simon lässt nicht locker, erobert sich die traurige Paule. Hier hätte die Aufführung gerne zu knistern beginnen können. Doch Leidenschaft und Lebensfreude im Kontrast zu Traurigkeit und Tristesse durften nur in jenem winzigen Augenblick aufflackern, als Paule auf dem Fußboden neben ihrem Bett aufwacht und Simon in der Küche lautstark klappern hört. Dann ist beinahe alles wieder wie zuvor.

Roger derweil, sympathisch gespielt von Stefan Reck, versucht auf seine altbewährte Weise gegen das Altwerden zu kämpfen - mit einer neuen Affäre. Sie heißt Marcelle. Elisabeth Hoppe verkörpert sie verführerisch, schön, ebenso kindlich wie Simon, nur klüger. Sie ist die einzige im Stück, die nicht irgendwann ihr Leid beklagt.

Paule macht Schluss mit Simon, der sofort in schlaffe Jammerei verfällt: "Ich wußte, dass du mich eines Tages wegschicken würdest." Paules Antwort ist kläglich: "Simon, jetzt ist es soweit, jetzt bin ich alt." Er wirft die Tür, doch sie knallt nicht laut genug. "Gehen wir nach Hause", sagt Paule zu Roger. Er: "Paule, du weißt,...". Sie: "Ja, Roger, ich weiß", und lacht. Auf diese Weise endet das Schauspiel. Martin Jürgens hat es nach einem Roman der Schriftstellerin Francoise Sagan verfasst. Die Inszenierung von Markus Völlenklee zeigt die Figuren, mit Ausnahme der Marcelle, befangen in einer Welt aus der sie nicht ausbrechen können. Bedrückend.

S. Reck, R. Demirkan, J. Kaufmann, E. Hoppe (v. l.); Foto: Anke Reimann

Auf der Flucht vor der Einsamkeit (von links): Stefan Reck als Roger, Renan Demirkan als Paule, Jan Kaufmann als Simon und Elisabeth Hoppe als Marcelle.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Fr., 14.10.2005

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