Frank Astor:

Wo sind all die einzelnen Socken?

Kabarettist Frank Astor lehrte im Schloss "20 Methoden, sein Leben zu verplempern"

Wer Frank Astor kennt, der weiß, dass es besser ist, bei seinen Gastspielen nicht in der ersten Reihe zu sitzen. Am Samstag war Astor auf Einladung des Kulturklubs erneut im Bündheimer Schloss zu Gast. Gut 150 Gäste wollten den Kabarettisten erleben - da blieb auch die erste Reihe nicht leer.

"20 Methoden, sein Leben zu verplempern" wollte Frank Astor seinem Publikum vermitteln. Das klingt nach Seminar und soll es auch. Als "kabarettistisches Großgruppen-Coaching" umschreibt Astor, der tatsächlich nicht nur Kabarettist sondern auch Führungskräfte-Trainer ist, sein neues Programm. Kabarett mit Mehrwert gewissenmaßen. Wieviel es dem Einzelnen wirklich wert war, musste nach zwei Stunden jeder selbst entscheiden.

In der ersten Reihe

Ernst gemeint waren seine Methoden freilich nicht, und so bewegten sie sich denn auch zwischen allen Richtungen der gängigen Lebensberatungstrategien: Von "Lassen Sie alles so wie es ist" bis "Perfektionieren Sie Ihr Leben immer weiter" war alles möglich. Mit einem "Summ-Back" wurden Stimmung und Zustimmung im Saal "gemessen". Eine Art willkürliche Meinungsforschung. Frank Astor sucht die Interaktion mit dem Publikum, es wird zum Teil seines Programms. Und ganz besonders die Gäste in der ersten Reihe.

Richtig witzig ist Frank Astor dann, wenn er auf die Grundlagen des klassischen Kabaretts zurückgreift. Wenn er über sein Leben in einer Patchwork-Familie berichtet und der gesellschaftlich-zwischenmenschlichen Wirklichkeit den Spiegel vorhält. Wenn er sich beispielsweise fragt, wo auf diesem Planeten nur all die einzelnen Socken landen? Oder auch, wenn er sagt, dass die Formulierungen "ganz schnell" und "mit dem Computer etwas ausdrucken" eigentlich nicht in einen Satz gehören. Das kennt jeder, darüber kann man befreiend lachen.

Die kleine Depression

Überhaupt ist der Computer immer ein dankbares Thema (Stichwort: das kennt jeder). Kaum eine menschliche Erfindung sei so zeitraubend wie der Computer - unter dem ständigen Vorwand der Zeitersparnis. Deshalb kommt in Astors Seminarablauf "direkt nach dem Computer die kleine Depression".

Frank Astor ist keiner von jenen Kabarettisten, die den ganzen Abend lang brüllkomisch sein wollen. Wer sich unentwegt schenkelklopfend vor Lachen schütteln will, ist bei seinen Programmen fehl am Platz. Astor pflegt die dezente Art des Humors. Natürlich liefert auch er scharfe Pointen, doch der Zuhörer soll auch mit- und manchmal sogar nachdenken. Im musikalischen Teil seines Programms, den eigenen Liedern, kommt das am stärksten rüber. "20 Methoden, sein Leben zu verplempern" hat am Samstag wohl niemand gelernt - aber wer hätte das wohl wirklich gewollt.

Frank Astor; Foto: Berit Seeger

Es gibt viele Methoden, sein Leben zu verplempern: Frank Astor nannte am Samstag 20 davon.

Foto und Artikel: Berit Seeger, Goslarsche Zeitung von Mo., 21.02.2005

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