Silent Radio:

Irgendwie vertraut und dann doch wieder ganz anders

Publikum im ausverkauften Bündheimer Schloss feierte den Auftritt des Braunschweiger Duos "Silent Radio"

Es klingt alles irgendwie so vertraut und doch auch irgendwie ganz anders. "Silent Radio", spätestens seit der Open-Air-Summernight auch in Bad Harzburg mehr als ein Geheimtipp, gastierte im Bündheimer Schloss - und feierte mit weit mehr Fans als selbst der Kulturklub als Veranstalter erwartet hatte. Mehr und mehr Stühle mussten in den schließlich ausverkauften Saal getragen werden und auch ein kleines technisches Problem sorgte für einen Spätstart auf der Bühne.

Der logistische Hindernislauf zu Beginn tat allerdings weder der Performance von "Silent Radio" auf der Bühne noch der Stimmung des Publikums in irgendeiner Form Abbruch. Zwei, drei Songs, dann hatten Gitarrist Lars "Louie" Bottmer mit seiner unverwechselbaren Stimme und Rainer Tacke an der elektronischen Violine ihr Auditorium "im Griff". Mitklatschorgien Moikscher Dimension passen zu dieser Musik zwar nur sehr bedingt, liegen dem Bundesdeutschen aber offenbar im Blut und blieben so auch bei diesem Konzert nicht aus.

Bedauerlich nur, dass darüber in Einzelfällen leisere Passagen gerade der Violine etwas untergingen, denn deren ebenso ungewohnter wie faszinierender Klang ist es neben der packenden Stimme Bottmers, die das Duo so wohltuend und deutlich aus dem weit gefächerten Reigen anderer "Cover-Bands" hervorhebt. Die Musik von "Silent Radio" als "covern" zu bezeichnen, ist ohnehin eigentlich nicht korrekt. Hier werden die großen Hits der Rock- und Pop-Größen beileibe nicht einfach "nachgespielt". Die Musik ist auf das absolut Wesentliche reduziert. Die tragenden Melodien und die Texte der Songs sind oft klarer zu verfolgen als im Original. Und genau an diesem Punkt lässt die Musik im Publikum dieses angenehm verwirrende Gefühl von bekannter Vertrautheit und faszinierender Fremdheit wachsen.

Nicht fremd war zumindest den "Silent Radio"-Fans, dass das Duo auch einmal als Quartett auftritt. Jens Müller (Bass) und Maurizio Saccomanno (Schlagzeug) woben nicht zum ersten Mal und entsprechend nahtlos mit an den Klangwelten Bottmers und Tackes.

Und in diesen Klangwelten wiederum wuchs die Stimmung immer weiter. Mit standing ovations feierte das Publikum "Silent Radio" nach dem Finale mit Billy Idols "Rebel yell", um dann im ersten von zwei Zugabeblöcken zu Oasis' "Wonderwall" voller Inbrunst mitzusingen. "Fern von der Heimatstadt so gefeiert zu werden", so Bottmer, sei "ein irres Gefühl" - was ihn zu der Überlegung verleitete, "jetzt ziehe ich nach Bad Harzburg". Nun, dagegen wäre im Grundsatz nichts einzuwenden, festzuhalten bleibt aber auch, dass "Silent Radio" einen nicht unerheblichen "Fanblock" aus Braunschweig mit an den Harz gezogen hatte.

Silent Radio; Foto: Werner Beckmann

"Silent Radio": Lars "Louie" Bottmer und Rainer Tacke feierten mit ihrem Publikum eine ungewöhnliche Pop- und Rock-Zeitreise.

Foto: Werner Beckmann, Goslarsche Zeitung Artikel: Werner Beckmann
GZ von Sa., 07.02.2004
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