Uwe Seeler:

Plauderstunde mit "Uns Uwe"

Kurzweiliger Abend mit Uwe Seeler und Roman Köster im Bündheimer Schloss

Der Kulturklub hatte am Donnerstag zu einem Fußballabend ins Bündheimer Schloss eingeladen, "an dem kein Ball rollen wird", wie Kulturklub-Vize Detlef Linke ankündigte. Formal sicher richtig, irgendwie aber doch falsch, denn natürlich drehte sich alles um das runde Leder.

Rund 200 "Fans" wollten Uwe Seeler, den wohl populärsten Fußballer Deutschlands, persönlich kennen lernen Mit seiner Art Fußball zu spielen - leidenschaftlich, schnörkellos, ehrlich - spielte sich "Uns Uwe" in die Herzen einer ganzen Nation. In seinem Buch, das er mit Autor Roman Köster vorstellte, sagt das Fußball-Idol "Danke, Fußball".

Köster, Mitarbeiter bei "BILD" und erster Sportchef bei SAT.1, lernte Seeler vor über 40 Jahren kennen. Aus dem beruflichen Kontakt wurde Freundschaft, was schon überrascht, ist Köster doch bekennender Anhänger von Borussia Dortmund. "Der hat als Reporter nur für den BVB geschrien. Es war kaum zu ertragen", erinnerte sich Seeler.

Seeler und Köster spielten sich geschickt den Ball zu, plauderten locker drauflos und erzählten die Geschichte vom Aufstieg eines "typischen Straßenfußballers" zum umjubelten Star und Ehrenspielführer der Fußball-Nationalmannschaft. In bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, hatte "der Dicke" von klein auf nur Fußball im Kopf. Schon mit 16 spielte er beim Hamburger SV in der ersten Mannschaft, dem er stets die Treue hielt, obwohl ihn Inter Mailand 1961 nach Italien locken wollte. "Wenn man über eine Millionen bekommen kann, kommt man schon ins Grübeln". Doch Seeler setzte auf Sicherheit, blieb beim HSV und hatte auch so sein Auskommen: "Mehr als ein Steak am Tag kann ich auch nicht essen".

Imponierend war die Sprungkraft von "Uns Uwe". Die musste auch Max Lorenz von Werder Bremen ("Gut zwei Köpfe größer als ich") anerkennen. Bei einem Eckball hielt er seinen Gegenspieler an der Hose fest: "Uwe, bleib unten, ich komm' ja doch nicht so hoch." Aber, was zeichnet einen guten Kopfballspieler aus? "Wichtig ist, dass man oben ist, wenn der Ball da ist, sonst nützt es ja nichts", lautet Seelers einfache Erklärung, die auch von seinem Lehrmeister und Trainer, dem legendären Sepp Herberger, stammen könnte.

Längst abgefunden hat sich Seeler mit der 2:4-Niederlage im WM-Finale 1966 gegen Gastgeber England mit dem berühmten Wembley-Tor. "Wir wurden für unser faires Auftreten gefeiert, als wenn wir gewonnen hät- ten", blickt Seeler ohne Zorn zurück. Auch vier Jahre später in Mexiko blieb ihm ein WM-Titel versagt. Die DFB-Auswahl verlor im Halbfinale, dem oft zitierten "Jahrhundertspiel", gegen Italien mit 3:4.

In 19 Jahren erzielte "der Dicke" 1357 Tore für den HSV. Mit 17 Jah- ren gab er 1954 gegen Frankreich sein Debüt im Nationaldress. Das Spiel ging 1:3 verloren, doch Seeler und sein Sturmpartner Klaus Stürmer wurden wegen ihrer spektakulären Spielweise als "fliegende Kaffee- und Untertasse gefeiert", wie sich ein Herr aus dem Publikum erinnerte. Es folgten weitere 71 Länderspiele, in denen "Uns Uwe" 43 Tore schoss.

Am Ende eines kurzweiligen Abends sagte das Publikum mit herzlichem Beifall "Danke, Uwe". Anschließend signierte das Fußball-Idol noch eine Stunde bereitwillig Bücher, gab Autogramme und ließ sich fürs Familienalbum ablichten. Ein Star zum Anfassen eben, von denen es heute nicht mehr viele gibt.

Uwe Seeler; Foto: Egon Knof

Eine Stunde lang signierte Uwe Seeler Bücher und gab seinen jungen und schon etwas "reiferen" Fans Autogramme.

Foto: Egon Knof, Goslarsche Zeitung Artikel: Egon Knof
GZ von Sa., 07.02.2004
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