Brigitte Mira:

Alte Kühe, die schön küssen können

Kurzer Abend mit langjährigen Erinnerungen: Brigitte Mira unterhielt im Bündheimer Schloss

Ihr einziges Laster waren die Männer. Fünf an der Zahl ehelichte Brigitte Mira im Laufe ihres Lebens. Als 94-Jährige blickte die Schauspielerin am Freitag im Bündheimer Schloss zurück auf gute und schlechte Zeiten.

Als "Talk-Show" inszeniert war das Gespräch, das sie mit ihrem guten Freund Oswald Kneip führte. Dabei bekam das Publikum einen kleinen Einblick auf ein langes Leben voller Höhen und Tiefen. In Hamburg geboren, in Düsseldorf aufgewachsen und in Berlin gelandet war die junge Frau, die als Balletttänzerin, Chansonette, Soubrette und Schauspielerin früh auf der Bühne stand.

Brigitte Mira faszinierte mit ihrer unverblümten Art, ihrer Koketterie über das Alter - "ich alte Kuh" - und den großen Namen, die sie traf, von Lehar über Juhnke bis zu Fassbinder.

Die "Kieks"-Stimme und das nuschelig-undeutliche ihrer Aussprache kannten die Zuhörer aus dem Fernsehen. Die Schauspielerin vor sich zu haben, wie sie auflebte, wenn sie von ihren Erinnerungen sprach, war für viele ein Genuss. Wenn auch der Abend am Ende nur 45 Minuten dauerte. Verständnis über die Knappheit des Programms zog sich durch das Publikum. Denn im Gespräch, das Kneip als Stichwort-Geber dominierte, war zu merken, wie die Mira bald abschweifte - "hab ich alles gesagt?"

Dennoch erlebten die Zuhörers keinen verschenkten Abend. Die Charakterdarstellerin aus "Angst essen Seele auf", ihrem großen internationalen Durchbruch, brachte es doch immer wieder fertig, ihr Publikum zu bannen. Sei es durch ihre frech-spontanen Sprüche: "Vielleicht hat sich herumgesprochen, wie schön ich küsse" - gefragt nach ihrer Beliebtheit bei Politikern. Oder auch ihre zu Herzen gehende Offenheit: "Man darf eigentlich nicht 94 werden, weil dann die Liebsten alle weg sind."

Respekt zollte ihr das Publikum für ihren unermüdlichen Bühneneinsatz. Schon in zwei Wochen wird sie wieder auf den Brettern stehen. Im Berliner Dom spielt sie Jedermanns Mutter, zehn Tage lang, am Wochenende sogar in zwei Vorstellungen. "Die Bühne ist meine Reha", schmunzelte sie, die sich auch durch einen Herzschrittmacher und ein ärztliches Auftrittsverbot nicht bremsen lässt.

Nach dem kurzweiligen Abend hatte sie aber noch Zeit für ihre Fans und zahlreiche Autogrammwünsche, auch hier gefilmt von einem Berliner Fernsehteam. Und sie versprach: "Zum 100. komm' ich nach Bad Harzburg."

Brigitte Mira; Foto: Ina Seltmann

Stehende Ovationen für Brigitte Mira: Kurz und kurzweilig gestaltete sich der Abend mit der Schauspielerin. Auch ein Fernsehteam war vor Ort und filmte ihren Auftritt.
Foto: Ina Seltmann, Goslarsche Zeitung Artikel: Ina Seltmann
GZ von Mo., 27.09.2004
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