Dagmar von Gersdorff:

"Sollst mir ewig Suleika heißen ..."

Dagmar von Gersdorff las aus ihrem Buch "Goethe und Marianne von Willemer"

Die Menschen um Johann Wolfgang von Goethe sind ihr Erkundungsfeld. Vor drei Jahren hatte Dagmar von Gersdorff sehr erfolgreich über Goethes Mutter geschrieben. In der Wandelhalle stellte sie nun ihr neues Buch "Marianne von Willemer und Goethe" vor, das im Insel Verlag erschienen ist. Rund 50 Zuhörer verfolgten die vom Kulturklub und der Goethe-Gesellschaft organisierte Lesung. Die Autorin gewährte ihrem Publikum einen mit detaillierten Quellen belegten Einblick in die geheimnisvolle Liebesbeziehung des Dichters und der über 30 Jahre jüngeren Marianne.

Innerhalb von vier Jahren trug die Goethe-Expertin Informationen zusammen, die sie dank der Hilfe von Nachfahren Marianne von Willemers, aber auch aus Gedichten erhielt. Dr. Eberhard Völker, Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft, betonte seine Faszination gegenüber dieser Recherchemöglichkeit: Quellen, die jedem zugänglich seien zu benutzen und Neues daraus zu lesen - oder, wie die Autorin es ausdrückte "Schätze zu bergen".

Zur Geschichte: Goethe, bereits 65 Jahre alt, reist 1814 nach Frankfurt und nahm nach einigen Begegnungen mit seinem Bekannten, dem Bankier Johann Jakob von Willemer, und dessen damaliger Pflegetochter Marianne eine Einladung auf dessen Landsitz, die Gerbermühle, an. Dort entspann sich eine von Musik, Gesprächen und gleichen Interessen getragene Liebe zwischen der 29-jährigen ehemaligen Schauspielerin und dem alternden großen Herrn. Die Österreicherin Marianne Jung hatte ihre Mutter auf Bitten Willemers verlassen, "der sie ihr quasi abkaufte", und lebte seitdem bei ihm. Es sei ein offenes Geheimnis gewesen, dass beide eine Liebesbeziehung pflegten, was als Skandal gegolten habe, so Dagmar von Gersdorff. Erst als Goethe auf den Plan trat und kurz der Gerbermühle den Rücken kehrte, heiratete von Willemer - selbst weit über 50 Jahre alt - Marianne überstürzt und ohne Aufgebot.

Doch der Funke war längst übergesprungen. Goethe und Marianne sahen sich wieder, hielten ihre Liebe auch mit Hilfe von chiffrierten Briefen geheim. In dieser Zeit entstand der "Westöstliche Divan", den Goethe inspiriert von Marianne und der arabischen Dichtkunst, verfasste. "Sollst mir ewig Suleika heißen ...", schrieb er über sie. Von Marianne stammt unter anderem das "Lied vom Westwind", das Goethe anonym in das Werk aufnahm.

Die Liebe scheiterte an Goethes Angst vor Komplikationen. Nach 1815 sahen sie sich nie wieder. Marianne erkrankte schwer, fand ins Leben zurück und hielt Briefkontakt mit Goethe - bis zu dessen Tod.

Dagmar v. Gersdorff u. Dr. E. Völker; Foto: Annette Borchers
Sie widmet sich der Spurensuche in Goethes Leben: Dagmar von Gersdorff vor ihrer Lesung zusammen mit Dr. Eberhard Völker.

Foto: Annette Borchers, Goslarsche Zeitung Artikel: Annette Borchers
GZ von Mi., 31.03.2004
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