Die Frau in Schwarz:

Einen Abend lang schön gegruselt

"Bühne Bad Harzburg" präsentierte ein Glanzstück: "Die Frau in Schwarz"

Einen schönen Abend bescherte die "Bühne Bad Harzburg" am Montag ihrem Publikum. Er fing schon gut an, mit einem Sektempfang inklusive Klaviermusik (Dr. Wolfgang Schömbs) als Dankeschön für Abonnenten. Aber er wurde noch besser dank der "Frau in Schwarz", einem Gespensterstück, das alles bot, was das Herz der Theaterfreunde begehrte: Eine spannende Geschichte inklusive Humor und sehr gute Schauspieler in einer Inszenierung, die mit Minimalismus und ausgeklügeltster Technik die Fantasie beflügelte.

Die Handlung ist relativ einfach. Zunächst. Arthur Kipps (Holger Schwiers) hat ein Problem: Eine Geschichte aus seiner Vergangenheit drückt ihm aufs Gemüt. Um sie seiner Familie endlich erzählen zu können, holt er sich Hilfe bei einem engagierten Schauspieler (Timothy Peach), der auf die Idee kommt, er werde in dieser Geschichte Kipps spielen, während Kipps Personen verkörpert, die darin auftauchen. Zum ersten, aber nicht zum letzten Mal verschwimmen Realität und Fiktion. Sowohl für die Menschen auf der Bühne, als auch für die davor.

Kipps, so die Geschichte, wird als junger Anwalt in einen einsamen Winkel Englands geschickt, um den Nachlass von Mrs. Drablow zu sichten. Dracula lässt grüßen, deshalb ist klar: Das wird jetzt gruselig. In der Tat: Die Menschen im Dorf sind verschlossen und ängstlich, die Nebel wallen, die Krähen kreischen - und auf dem erstbesten Friedhof geistert Kipps eine schwarz gekleidete Frau vor die Füße.

Aber wieso? Wie zum Teufel kann die Frau erscheinen, wenn Kipps gar nicht Kipps ist und die Geschichte nur nachgespielt wird? Dramaturgischer Fehler? In einem Stück, das eben dort sonst seine Stärken hat? Wo alles passt? Wo drei Koffern je nach Bedarf Kutschen, Autos, Betten und Schreibtische sind, und man das auch glaubt? Wo mit Licht, Schatten und Ton auf die Sekunde die Stimmungen wechseln und das Kurhaus endgültig zu einem kalten Ort des Grausens wird?

Wieso sieht der Schauspieler also eine Frau, wo er doch mit Kipps alleine vor sich hinspielt? Nun, Kipps wird sie halt zum Schauspielunterricht mitgebracht haben. Aber wer ist sie? Der rastlose Geist der im Wahn gestorbenen Schwester von Alice Drablow. Dieser Geist hat Kipps seinerzeit an den Rande des Irrsinns getrieben. Und nicht nur ihn. Wer auch immer die Frau sieht, dessen Kinder sterben schreckliche Tode. Aber Kipps hat sie gar nicht zum Unterricht mitgebracht. Er hat sie beim Spiel im Gegensatz zum Schauspieler auch nicht gesehen . . .

Das war gutes Theater und es wurde von Personen mitgetragen, die man gar nicht sah. Von den Techniker an Licht und Ton zum Beispiel, die wie Konzertmeister zum perfekten Spiel von Holger Schwiers und Timothy Peach die Einsätze lieferten. Star des Stückes jedoch war Ellen Schwiers, die große Dame des deutschen Theaters. Sie hatte Regie geführt und Faszination geschaffen. Und sie spielte eine Hauptrolle, wie man sie selten erlebt. Wortlos, ohne große Gesten, selten zu sehen und wenn, nur für Sekunden im Halbdunkel. Aber sie war das Fundament, die wichtigste Person überhaupt: Die "Frau in Schwarz". Deshalb war der Schlussapplaus herzlich, als sich Ellen Schwiers ohne Geister-Kostüm dem Publikum zeigte. Zumal dann etwas geschah, was Theaterbesucher selten erleben: Die Hauptdarstellerin sprach zu ihnen. Sie erzählte vom Stück. Sie dankte den Veranstaltern. Sie dankte dem Publikum. Sie gab dem runden Abend den letzten Schliff.

Die Frau in Schwarz (v.l.n.r.): H. Schwiers, E. Schwiers, T. Peach ; Foto: Holger Schlegel

Holger Schwiers (links) und Timothy Peach mit Ellen Schwiers, die "Die Frau in Schwarz" inszenierte und spielte.
Foto: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung Artikel: Holger Schlegel
GZ von Mi., 01.12.2004
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